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Diese ECHO-Preisträgerin nimmt gern ein Bad in klassischer Musik

Hameln. Wenn am Dienstag, 18. Januar, das Staatsorchester Braunschweig mit der Solistin Mirijam Contzen das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold aufführt, können Theaterbesucher ein einmaliges Konzert erleben. Denn weder vorher kam das Werk in dieser Konstellation zur Aufführung, noch sind weitere Termine geplant. Mirijam Contzen, die im Konzert der Reihe „Dewezet Classics“ in Hameln auftritt, wurde 2001 mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Julia Marre sprach mit der Violinistin vorab über den Star-Geiger David Garrett, über Wunderkinder und alternative Berufswünsche.

veröffentlicht am 14.01.2011 um 12:45 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:21 Uhr

Contzen
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Hameln. Wenn am Dienstag, 18. Januar, das Staatsorchester Braunschweig mit der Solistin Mirijam Contzen das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold aufführt, können Theaterbesucher ein einmaliges Konzert erleben. Denn weder vorher kam das Werk in dieser Konstellation zur Aufführung, noch sind weitere Termine geplant. Mirijam Contzen, die im Konzert der Reihe „Dewezet Classics“ in Hameln auftritt, wurde 2001 mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet. Julia Marre sprach mit der Violinistin.

Frau Contzen, wer an deutsche Violinisten denkt, kommt an David Garrett kaum vorbei. Wie beurteilen Sie das Image, das er vom klassischen Künstler vermittelt?
Ich glaube, das sind zwei verschiedene Dinge. David Garrett spricht ein sehr, sehr großes Publikum an, das sonst nicht mit klassischer Musik in Berührung kommt. Ich habe mich mit seinen Stücken bisher nicht so richtig auseinandergesetzt. Aber er begibt sich auf den Weg zur Klassik. Und vielleicht erreicht er damit auch, dass manche Menschen hier und da ein bisschen intensiver in klassische Musik reinhören.

Also spaltet er die Klassikwelt auf in populäre Künstler und in den althergebrachten Betrieb?
Er spricht sicher einfach viele an, und die sind begeistert. Leute, die sich fragen: Was ist eigentlich klassische Musik? Die er dazu bewegt, einen neuen Weg zu gehen. Vielleicht kann er tatsächlich Hörgewohnheiten aufbrechen. Aber es gibt schon sehr viel Show drum herum - das ist im klassischen Konzert nicht der Fall. Aber warum soll es das nicht geben? Ich finde, es ist eine gute Sache, wenn jeder seinen Weg geht.

Yehudi Menuhin bezeichnete Garrett mal als „größten Violinisten seiner Generation“ – wie sehen Sie das?
David Garrett hat ein unglaubliches geigerisches Talent. Er ist schon früh aufgetreten und hat sehr viele Erfahrungen gesammelt. Er gehört also zu den herausragenden Geigern seiner Zeit.

Gibt es Stücke, denen Sie – ähnlich wie David Garrett – auch gerne mal den Klassikstempel aufdrücken möchten?
Nein, eigentlich nicht. In die Richtung habe ich bisher überhaupt nicht gedacht.

Angenommen, Sie wären nicht Violinistin geworden – welchen Beruf würden Sie wohl heute ausüben?
Das ist schwer zu sagen. Aber ich habe tatsächlich in letzter Zeit darüber nachgedacht. Als Geiger fängt man sehr früh an. Ich stamme aus einer Musikerfamilie und habe das so mitbekommen. Mich haben nebenher sehr stark die Fotografie und die bildenden Künste interessiert. Eventuell wäre ich in die Richtung gegangen. Vielleicht hätte ich mich auch als Naturwissenschaftlerin versucht.

Was meinen Sie, hätte Tibor Varga, Ihr langjähriger Lehrer, wohl dazu gesagt?
Ich glaube, dass er mich dann vollkommen verstanden hätte. Es war ja nie das Ziel meines Unterrichts, eine Karriere auf die Beine zu stellen. Er hat den Schülern, die für die Kunst brannten, Möglichkeiten und Richtungen gezeigt. Und was meinen Weg betrifft: Irgendwie bin ich tatsächlich vom einen ins andere gerutscht. Dabei leitet immer das Bestreben, sich auf den Inhalt zu konzentrieren. Wenn man dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und menschlich sowie musikalisch alles zusammenpasst, dann entsteht eventuell eine Karriere. Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Unterricht bei ihm zu nehmen und bin weit dafür gereist. Auch wenn es in der Pubertät sicherlich Phasen gab, in denen ich ausbrechen wollte. Aber das hatte nie mit der Musik zu tun.

Sie begannen 1984 im Alter von sieben Jahren mit dem Unterricht bei Varga an der Musikhochschule Detmold. Auch der Komponist Erich Wolfgang Korngold, ein Wunderkind, hat früh angefangen und bereits mit elf sein erstes Ballett komponiert. Verbindet solch ein ähnlicher Hintergrund?
Nein, denn wenn ich ein Werk studiere, dann blende ich die Person dahinter zunächst aus. Ich konzentriere mich ganz auf die Musik, beschäftige mich mit dem Notenmaterial und versuche erst einmal, den Inhalt auch ohne weitere Informationen zu begreifen und zu erforschen. Im weiteren Verlauf der Arbeit interessiere ich mich dann für die genauen Umstände, unter denen ein Werk entsteht.


Korngolds Werke erleben ja in jüngster Zeit eine Renaissance. Spielen Sie zum ersten Mal Stücke von ihm?
Nein, ich habe schon sein Streichsextett gespielt, ein früheres Werk.

Und: Wie gefallen Ihnen seine Kompositionen?
Es ist wirklich, wirklich fantastische Musik. Sie hat etwas Geniales in den Themen, ist vor allem auch unglaublich gut geschrieben. Man badet als Musiker einfach darin. Das ist begeisternd.

Eine Konzerteinführung auch zu Korngolds Violinkonzert findet am Sonntag, 16. Januar, um 11.30 Uhr im Theater Hameln statt. Der Eintritt ist frei, wenn Karla Langehein und Jürgen Schoormann anhand von musikgeschichtlichen Daten und Musikbeispielen das Programm erläutern.



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