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Grundsolide und uneitel: Melissa Etheridge im ausverkauften Capitol

Die Zukunft des Rock ’n’ Roll war gestern

Hannover. „Die Zukunft des Rock ’n’ Roll hat ein weibliches Gesicht“, posaunte Chris Blackwell, Chef des Island-Labels, 1986 heraus – in Anlehnung an Jon Landaus begeistertes Lob für Bruce Springsteens Album „Born To Run“. Blackwell meinte seinen neuen Schützling: die damals 25-jährige Melissa Etheridge. Das Landei aus Kansas wusste, was es wollte: Stadien füllen. Mit ihrem hemdsärmelig-kumpelhaften Heartland-Rock und kernigem Singer/Songwriter-Folk gelang Etheridge dies in den USA eher als in der Alten Welt. In Hannover hätte es wohl für die AWD-Hall gereicht, denn das Capitol ist ausverkauft.

veröffentlicht am 08.03.2012 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Ihr Konzert am Mittwochabend beginnt rockig mit „Fearless Love“, mehr Bryan Adams als Bruce Springsteen freilich. Oder um die Frauenstimmenschublade aufzuziehen: wie Bonnie Tyler im Rennwagen, ohne in die Gefahr einer Janis Joplin zu geraten, sich im Rausch der Darbietung zu verlieren und das Vehikel an einer Mauer in Feuer aufgehen zu lassen.

Es ist das Zusammenspiel von Etheridges zwölfsaitiger Akustikgitarre mit dem klassischen Line-Up aus E-Gitarre, Bass und Drums, das Songs wie „Bring Me Some Water“ bestimmt. Packender geraten der Riff-Rocker „Nervous“, das angefunkte „Brave And Crazy“ und das Tom-Petty-Cover „Refugee“. Die Nachsing-Aktionen mit dem Publikum muss man nicht mögen, ausgelegte Zettel mit mehr oder weniger lebensklugen Parolen, die Fans hochhalten dürfen, auch nicht. Selbst wenn sie Etheridges Botschaft, das Glück bei sich selbst zu suchen, ergänzen. Andererseits spricht sie unverkrampft über die überwundene Krebserkrankung und zeigt Fannähe, wenn sie ein Papier entgegennimmt, um die Mühe mit dem Lesen zu offenbaren. Dass sie nicht nur mit ihrer kratzigen Stimme punkten kann, zeigt sie an allerlei Gitarren.

Wer die 50-Jährige nur per Illustrierte wahrgenommen hat (lesbische Beziehungen, vier Kinder, David Crosby als Samenspender, Krankheit, Grammys, Oscar), bekommt einen frischen Strauß rockiger Songblumen überreicht. Und die Zugabe „Like The Way I Do“ wird man sicher auf der im Foyer beworbenen Ü-40-Party wiederhören. Auch wenn Etheridge kürzlich ihren Stern auf Hollywoods Walk of Fame bekam – die Zukunft des Rock ’n’ Roll hat heute sicher andere Gesichter.

„Like the Way I Do“ gilt als einer ihrer bekanntesten Songs: Melissa Etheridge.

Foto: jed

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