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Die verramschte Traumfigur des Soldaten Schwejk

Von Richard Peter

Hameln. Während Joseph Roth mit „Radetzkymarsch“ seinen melancholischen Schwanengesang auf 600 Jahre Habsburg anstimmte und Karl Kraus im Marsdrama „Die letzten Tage der Menschheit“ beschwor, als „Operettenfiguren die Tragödie der Menschheit spielten“ – schrieb Jaroslav Hašek seine „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Auch das ein Endspiel, ein endloses, und Totentanz. Aber ein fröhlicher.

veröffentlicht am 09.12.2009 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:21 Uhr

schwejk
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Der Hundehändler Josef Svejk im Getriebe der k. u. k. Kriegsmaschinerie. An ihm prallt alles ab in der vernichtenden Satire aufs Militär und die imperiale Bürokratie. Ein kleiner Mann, der im Chaos des Krieges, als einzige Waffe, seinen Humor einsetzt. Als „behördlicher Idiot“ eingestuft, beginnt er seine Weltkrieg-Eins-Odyssee. Schwejk, der jede aussichtslose Situation zerredet, ist so autoritätsgläubig, dass er jede Autorität damit untergräbt, und so unbedingt loyal, dass Loyalität ad absurdum geführt wird. Schwejk ist für jede etablierte Gesellschaft eine Katastrophe.
 Dennoch: Man mag ihn und nicht erst, seit ein Rühmann ihn so unvergleichlich liebenswert-harmlos spielte und ein Fritz Muliar zum Schwejk der Schwejks mutierte. Schon Peter Alexander machte aus ihm eine Karikatur, wie jetzt der Fernsehstar und „Landarzt“ Walter Plathe. Er spielt nicht den Schwejk – er führt ihn vor. Auf dem Humor-Tablett. Genau das dürfte Hašeks so genialer Figur nicht angetan werden.
 Was die Komödie am Kurfürstendamm in der Inszenierung von Klaus Gendries am Dienstag im Theater Hameln vor allem zeigt: eine eigenwillige Mischung aus Kabarett und Musical. Zugegeben: Mit beeindruckenden Nummern wie Maria Mallé als Bäuerin und ihrem „Ich werd den General grüßen“ oder Plathes „Nach dem Krieg ist vor dem Krieg“ – nur das Spiel vermischt sich. Plathe versteht sich als Moderator seiner selbst und hebt auch mal gerne neckisch das Beinchen. Natürlich kommt das an beim Publikum. Allerdings wird so eine Traumfigur traurig verramscht. Schade, denn Plathe könnte ein wunderbarer Schwejk sein, denn der ist nun mal – bei allem Witz, allem Humor – mehr als Operette, Musical und Kabarett. Der kleine Mann als idiotisches Genie. Das ist doch was – und ein bisschen auch so zu behandeln, damit es öfter heißt: „Punkt sechs nach dem Weltkrieg.“

 



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