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Altonaer Theater mit „Catch me if you can“ in Starbesetzung

Die Show ist die Show

HAMELN. Auch nicht alle Tage – so selten wie ein erfreulich prall gefülltes Theater – ein Krimi-Musical, das allerdings noch rechtzeitig die Kurve kriegt und nichts als Show ist. Ein bisschen verwirrend – vielleicht, weil die Geschichte eine echte ist.

veröffentlicht am 03.02.2019 um 14:15 Uhr

Ilja Richter als Agent Carl Hanratty. Foto: G2 Baraniak /PR
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Autor

Richard Peter Reporter
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Ein begnadeter Hochstapler der Extraklasse, der das FBI jahrelang an der Nase herumführt – immer einen kleinen Schritt schneller und cleverer als seine Jäger. Ein Hochbegabter, der es mit Scheck-Fälschungen zu Geld bringt, sich als Pilot ausgibt, dann als Arzt, schließlich als Anwalt – und einen entscheidenden Fehler begeht: sich verliebt.

Noch bevor sich ein Vorhang zur Seite krümeln könnte: „Miami International Airport“ und das FBI auf der Pirsch – angeführt vom Platzhirsch Agent Carl Hanratty. Und endlich am Ziel: Frank Abagnale Jr. mit mehr Pseudonymen als unser Kurt Tucholsky – der Mann mit den „fünf PS“ – vor dem Lauf von Hanrattys Revolver. Doch Frank will erst seine Geschichte erzählen – holt sich beim Publikum Rückendeckung, das natürlich dafür ist. Hat ja dafür bezahlt.

Die Show beginnt – und sie beginnt eher ein bisschen schleppend mit Franks Vorgeschichte zur Karriere und vier Damen – die beiden Herren sind noch als Agenten unterwegs – alle in Multifunktion. Aus den Flughafen-Besuchern werden Stewardessen, dann Krankenschwestern und alles, was halt so auf der Bühne gerade gebraucht wird.

Natürlich wird gesungen und getanzt. Spätestens hier wird klar, dass Georg Münzel mit Sven Niemeyer als Choreograf Originalzeit 60er Jahre spielen lässt. Das hat durchaus seine Reize – vor allem, weil Philipp Moschitz immer wieder mal in den Revue-Einlagen spontan den Turbo zündet. Vor allem aber lebt die Inszenierung von seinen beiden Stars, Ilja Richter als Agent Carl Hanratty und Walter Plathe als Frank Abagnale Sen. Und das ist einfach grandios, was die beiden da so komödiantisch auf die Bretter stellen. Auch wenn sie nicht wirklich singen können – aber das hinreißend. Eine eigene Show daraus machen – und zwischendurch auch ein bisschen Tragik ins sonst so fröhliche Spiel streuen. Unvergleichlich satirisch gebrochen die Weihnachtsnummer.

Bewundernswert auch das Ensemble als Stewardessen, Schwestern und den vielen kleinen Rollen. Hervorzuheben neben den dominierenden Stars sowie Moschitz mit seinem strahlend-kräftigen Tenor, blendend agil – auch seine Ausflüge ins Parkett – sowie Lillemor Spritzer als Franks Mutter Paula und Schwiegermutter in spe – und natürlich Carina Böhmer als Brenda, über die der Held trotz eines schönen Duetts stolpert. Olaf Paschner beeindruckt gleich dreifach in verschiedenen Charakterstudien, die haften bleiben.

Zum Libretto von Terrence McNelly hat Marc Shaiman die Musik geschrieben. Solide – mehr Background als erinnerbar und auch die Songs nicht zwingend zum Nachsingen. Was nicht an der Band unter Felix Meyerle liegt.

Ein schwungvoller Freitagabend mit dem Altonaer Theater auf unserer Bühne – der beim Publikum ankam mit den beiden schon so lange glänzenden Stars, denen man ihre Lust am Spiel anmerkt. Jede Sekunde.

Schlusspointe: Frank wandert zwar in den Knast, wird aber von Hanratty nach sieben Jahren rausgeholt – zum FBI. So viel Insiderwissen und kriminelle Begabung darf man sich einfach nicht entgehen lassen.



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