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„Einer flog über das Kuckucksnest“ im Theater

Die Schwarzseherklinik

Hameln. Noch bei der Stückeinführung stand eine natürlich aus Spaß gestellte Frage im Raum: „Kommt Jack Nicholson etwa auch?“ Selbstverständlich war er nicht im Theater: der Hollywood-Star, der in der fünffach Oscar prämierten Verfilmung „Einer flog über das Kuckucksnest“ 1975 die Hauptrolle spielte. Und das war gut so. Denn Alexander Frank Zieglarski, der in Hameln schon als Goethes „Werther“ und in Lars von Triers „Der Boss vom Ganzen“ auf der Bühne stand, machte seine Sache so gut, dass wohl niemand am Freitag Jack Nicholson vermisste.

veröffentlicht am 29.05.2011 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:21 Uhr

Autor:

Julia Marre
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Bühnenfassung hin oder her – ein so bekanntes Stück des US-Autorenkinos in das viel enger geschnittene Kleid des Theaters zu zwängen, ist ein Wagnis. Die Inszenierung von Tatjana Rese mit dem Landestheater Detmold jedoch ist sehr gelungen. Genau richtig dosiert ist ihre Kombination aus Absurdität und Humor, ohne je ins Alberne abzudriften. Lediglich die Bühne fällt in der Optik eines Pop-Art-Spielplatzes aus dem Konzept. Was hier fehlt, ist die Kälte einer psychiatrischen Anstalt, gepaart mit klinischer Nüchternheit. Den mit lustigen Löchern durchzogenen Plastik-Raumteiler zum Durchsehen, für den sich Bühnenbildnerin Pia Wessels entschieden hat, braucht man dazu nicht. Auch die Kostüme – ein Mitleid erweckender Streifzug durch die Container der Kleidersammlung – scheinen die Ernsthaftigkeit des Stückes kaschieren zu wollen.

Dass die Aufführung dennoch ergreifend ist, liegt an dem durchweg guten Ensemble. Neben Zieglarski als zwangseingewiesener Krimineller McMurphy sind Recardo Koppe als stotternder Billy Bibbit und Henry Klinger als Häuptling Bromden hervorzuheben. Bedauerlicherweise schöpft Renate Regel in der Rolle der tyrannischen Oberschwester Ratched das Potential ihrer Figur nicht annähernd aus.

Dennoch: ein überaus guter Theaterabend, der unter die Haut geht.



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