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- ihre Stars, aber auch sich selbst beim M’era Luna-Festival

Die schwarze Szene feiert

Hildesheim. Am Sonntagabend ging das Festival der schwarzen Szene – das 15. M’era Luna – auf dem Hildesheimer Sportflughafen Drispenstedt zu Ende. Zum dritten Mal in Folge war das Event mit rund 25 000 Besuchern ausverkauft. Der Flugplatz wurde zum Laufsteg und der Laufsteg der Gothic-Modenschau zur Theaterbühne. Denn beim M’era Luna stehen nicht nur die Künstler im Mittelpunkt, sondern auch die Besucher, die in ihren extravaganten Outfits begehrte Fotomotive sind.

veröffentlicht am 10.08.2015 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

Cord Wilhelm Kiel
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Zuweilen schien es gar, als ob die Shoppingmeile, der Mittelaltermarkt mit seinen Shows, die Kunstausstellungen und Walking Acts und insbesondere die Gothic-Modenschau mit Werken von fünf angesagten Labels für mehr Aufsehen sorgten, als die Bands selbst.

Während die großen Stars erst am Sonntag die Hauptbühne betraten, stand der Samstag im Zeichen der „Szene“-Bands wie Blutengel (Electro), Saltatio Mortis (Mittelalter-Rock) und ASP (Dark Rock). „Von der Szene für die Szene“ ist hier das Motto. In der Regel sind es Gruppen, die wohl nur beim M’era Luna vor Zehntausenden Fans auf einer riesigen Open-Air-Bühne spielen. Ein Exot war am Festival-Samstag Rob Zombie mit seinem Industrial-Rock: In den USA auch als Regisseur und Filmproduzent ein Star, sorgte er musikalisch für Abwechslung.

Die mächtigste Show lieferte erwartungsgemäß am Sonntagabend der einzige Mega-Act in diesem Jahr, die finnischen Symphonic-Metal-Könige Nightwish. Die Band, die mit ihren letzten fünf Alben die Top 5 der deutschen Longplay-Charts und dabei zweimal Platz 1 erreichte, beschloss das Festival mit Feuer und Flammen. Was die Finnen, die seit zwei Jahren mit der Niederländerin Floor Jansen endlich ihre Optimalbesetzung am Mikro gefunden haben – Jansen verbindet das Opernhafte der ersten Nightwish-Sängerin Tarja Turunen mit der Rock ’n’ Roll-Attitüde der zweiten Frontfrau Anette Olzon – an Feuer, Pyros und Rauch auf die Bühne brachten, kann locker mit Branchenführern dieser Kategorie wie Kiss oder Rammstein mithalten. Auch musikalisch waren Nightwish ein krönender Abschluss des M’era Luna – warum allerdings eine so große Band ihre komplette Bühnenshow mitbringt (die den gesamten Sonntag über in jeder Pause aufgebaut wurde!), dann aber nur gut 70 Minuten Spielzeit bekommt, ist rätselhaft und ärgerlich. So mussten etliche Klassiker aus der Setlist gestrichen werden, und das Publikum verstand die Welt nicht mehr, als sich Nightwish ohne Zugabe verabschiedeten.

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  • NDW-Star Joachim Witt
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  • Nightwish-Sängerin Floor Jansen
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  • Kurzes durchatmen vor dem hölzernen Namenszug. Zeljko Kovacic / Cord W. Kiel
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Zuvor hatte es eine unter anderem in Hameln gegründete Band richtig krachen lassen: Unzucht enterten am Sonntagmittag die Bühne und rockten 35 Minuten lang die Zuschauer wach. Richtig voll wurde es vor der Bühne, „Unzucht“-Rufe und Fangesänge erfüllten den Flugplatz. Musikalisch und showtechnisch kann diese Band schon heute mit den Genregrößen mithalten – es bleibt zu hoffen, dass der große Durchbruch bald gelingt. Auf dem M’era Luna waren Unzucht bereits Stars, denn die Schlange von Fans vor der Autogrammstunde wollte kein Ende nehmen.

Zwei Musiklegenden lieferten am Sonntag zwei höchst unterschiedliche Auftritte ab: Blixa Bargeld mit den Einstürzenden Neubauten erntete Respekt für seine experimentelle, fast meditative Industrial-Musik, aber auch Unverständnis. Leider, denn kaum ein Künstler setzt seit Jahrzehnten so konsequent seine Visionen um wie er und seine Mitstreiter.

Joachim Witt wiederum, mit 66 Jahren ältester Musiker des Festivals, lieferte einen fulminanten Auftritt und erntete begeisternde Reaktionen. Würde Charisma in Gewicht bemessen, wäre dieser Mann mit seinen einzigartigen Gesten und Bewegungen tonnenschwer. Beim „Goldenen Reiter“ war der Flugplatz eine einzige Partymeile, und die neueren Songs zeigten, wie düster und gewaltig der „alte Mann“ noch rocken kann.

Weitere Bilder gibt es unter www.dewezet.de zu sehen.

Der Hamelner Daniel De Clercq, Mitglied der Band Unzucht, beim Festival-Auftritt

Die schwarze

Szene feiert – ihre Stars, aber auch sich selbst

beim M’era Luna-Festival in Hildesheim



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