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Sönke Wortmanns Epos „Die Päpstin“ erzählt abenteuerlich von Emanzipation

Die scheue Jungfrau von Ingelheim

Kollege kommt gleich!“ Unter dieser oder ähnlichen Überschriften war in der jüngeren Vergangenheit so einiges über „Die Päpstin“ zu lesen. Volker Schlöndorff machte Sönke Wortmann auf dem Regiestuhl Platz, Franka Potente überließ Johanna Wokalek die Titelrolle, John Goodman, der hier einen waschechten Papst spielt, wollte verduften, wurde aber mit dem Versprechen der Regressforderung zurückgelockt. Goodman scheint sich gerächt zu haben: Mit seinen Pausbacken will er den waffenstrotzenden Bowling-Spieler aus „The Big Lebowski“ oder den Feuerteufel aus „Barton Fink“ nicht vergessen machen – was in diesem Zusammenhang schon etwas Subversives hat. Es ging also um Geld, Verletzungen und den guten Ruf. Viel Porzellan wurde da zerbrochen. Und noch eine andere Tatsache könnte den Blick auf den Film verstellen. Allein über fünf Millionen Deutsche haben den gleichnamigen Roman von Donna Woolfolk Cross seit 1996 gekauft, seitdem ist eine Diskussion um die Frau, die als Papst Johannes Anglicus im neunten Jahrhundert der katholischen Kirche vorgestanden haben soll, entbrannt: Mythos oder Legende, Märchen oder Wahrheit?

veröffentlicht am 21.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

Michael Ranze
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Das dicke Buch kinogerecht aufgearbeitet

Wortmann schürt in Interviews diese Ambivalenz: Nicht auszudenken, wenn diese Geschichte auch noch wahr (und der Film darum gut) wäre. Die mächtige Constantin unter der Fuchtel von Bernd Eichinger, seit „Der Name der Rose“ besonders erfahren in der kinogerechten Aufbereitung dicker Bücher, war wieder federführend. Man muss sich also um den Erfolg des Films keine Sorgen machen.

Los geht es 814. Ein Mädchen wird in Ingelheim geboren: Johanna. Der böse Papa verbietet jegliche Bildung – vergeblich. Im Folgenden helfen Zwischentitel und eine gelangweilte Erzählstimme (Lieblingssatz: „So vergingen die Jahre“) bei der zeitlichen Orientierung. Sonderlich eilig hat es der Film nicht. Strenge Erziehung, irgendein Krieg gegen die Normannen, schließlich Aufnahme ins Kloster Fulda – unter der Identität des Bruders. Zwei geschlagene Stunden dauert es, bis unsere Johanna (seit dem Filmjahr 831 dargestellt von Johanna Wokalek) endlich in Rom anlangt. Hier sieht es aus wie in einem Computerspiel – alles bloß Bytes und Bits, sehr blass obendrein. Es gibt dann noch eine Liebesgeschichte, eine Machtintrige, einen fiesen Bösewicht. Und dann eine Johanna Wokalek, die so scheu spielt und in der Nachsynchronisation (gedreht wurde auf Englisch) so unnatürlich spricht, dass man nie ahnt, wie sie sich in dieser Männerwelt durchsetzen konnte. Ein bisschen mehr Feuer im Hintern hätte dieser frühen Feministin (Lieblingssatz: „Ich hänge an meinem Leben als Mann.“) nicht geschadet.

„Die Päpstin“ läuft ab heute täglich um 17 und 20 Uhr im Maxx-Kino Hameln. Morgen und am Samstag auch um 23 Uhr.



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