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Wer wird „Millionär“?: Christoph Maria Herbst im Theater

Die Rampensau ist ein Adler – Show der Popcorn-Belletristik

Hameln. Unter den Vorlesern lustiger Literatur ist er so etwas wie der Adler, der auch Hühner blendend imitieren kann: Christoph Maria Herbst. Schon als er am Samstagabend die Bühne des Theaters betritt, rauscht ihm so starker Applaus entgegen, dass er erstaunt entgegnet: „Aber ich hab ja noch gar nichts gesagt…“. Egal, das Publikum ist hellauf begeistert. Für „Halbglatze und Klobrillenbart“ entschuldigt sich der Schauspieler noch schnell. Er stecke mitten in den Dreharbeiten für die neue Staffel der Bürocomedy „Stromberg“ – Jubel. Wann die im Fernsehen anläuft? „Natürlich im Herbst“, sagt er – erntet Beifall. Und legt „nach einer kurzen Portion Schleim“ zügig los.

veröffentlicht am 29.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:41 Uhr

„Ich war 1989 schon in einer Mörderinszenierung im Theater

Autor:

Julia Marre
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In seinen Turnschuhen absolviert Christoph Maria Herbst in den kommenden knapp zwei Stunden einen Marathonlauf durch Tommy Jauds Roman „Millionär“. Den Autor nennt er den „Thomas Mann unter den Popcorn-Belletristikern“, während er selbst so etwas ist wie ein athletischer Berufssportler in dem, was er macht – professionell sympathisch, aber auch sympathisch professionell. Ein Bühnenexperte eben, der gespielt spontan von Urin erzählt, während er sich trübgelbe, dampfende Plörre ins Wasserglas kippt.

Ohne Abschweifungen und mit Rampensau-Attitüden gibt Herbst weniger den öden Vorleser, sondern inszeniert vielmehr eine One-Man-Show mit mehrfach gespaltener Persönlichkeit: von der weibisch quäkenden Botoxtussi Mag über den feinfühligen Mediziner hin zum heiseren Perser und dem mit Dialekt nuschelnden Vermieter.

Herbst liest nicht, nein, er lebt die Geschichte um Simon Peters, der schon Jauds „Vollidiot“ war, der er irgendwie noch ist, aber nicht mehr sein möchte. Der Romanheld, ein wahrer König seiner eigenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, träumt nämlich vom Leben als Millionär – und stolpert auf dem Weg von Hartz IV zu Audi Q7 andauernd über Hürden, die jede Menge Anlass zum Lachen bieten.

Nach Ausschnitten, die neugierig machen auf die Erzählung, präsentiert Herbst als Zugabe sein Lieblingskapitel: Simons Extremworkshop bei „Mr. Moneybooster“. Beim Sprint auf der Zielgeraden läuft der Schauspieler zur Höchstform auf, hastet von einer Pointe zur nächsten und verlässt als strahlender Sieger die Bühne.



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