weather-image
Männer, Möbel, Museum: Dominique Horwitz’ fulminantes Gastspiel

Die One-Woman-Show für einen Mann als großer Theaterabend

Hameln. Die unglaubliche, aber wahre Lebensgeschichte des Lothar Berfelde, der sich Charlotte von Mahlsdorf nannte, hat der amerikanische Autor Doug Wright auf die Bühne gebracht. Und nachdem das Stück – vielfach preisgekrönt – in den Hamburger Kammerspielen und im Renaissancetheater Berlin mit einem grandios aufspielenden Dominique Horwitz seine deutsche Erstaufführung erlebt hat, geht Horwitz jetzt auf Tournee.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 16:21 Uhr

270_008_4197291_ku102_0711.jpg

Autor:

Jürgen Schoormann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Im Theater Hameln verschaffte er sich gleich zu Beginn einen mit Beifall bedachten Einstieg, indem er die Zuschauer im leider nicht ganz voll besetzen Theater aufforderte, nach vorn in die ersten Reihen zu kommen. Und dann lieferte er in einem zweistündigen Solo das Porträt dieser schillernden Person, skizzierte zudem mit dezenten Mitteln nebenbei noch mindestens zwei Dutzend weitere Figuren, die in Charlottes Leben eine Rolle gespielt haben – eine ganz große schauspielerische Leistung!

Der Transvestit mit seiner Liebe zu Möbeln und anderen Gegenständen aus der Gründerzeit, der sich als Spion und Informant von der SED anwerben lässt, ist eigentlich keine besonders sympathische Erscheinung. Aber wie Horwitz diese Rolle spielt, wie er mal schelmisch-naiv, mal besorgt um seine ihm teuren Schätze, dann wieder mit einem Hang zum Dramatischen Episoden seiner Lebensgeschichte ausbreitet – das nötigt dem Zuschauer doch zumindest Respekt für diese Person, wenn nicht gar eine gewisse Zuneigung ab.

Denn schließlich hat Lothar/Charlotte unter zwei Diktaturen offen als Homosexueller gelebt, hat ein viel besuchtes Museum unterhalten und war nach dem Fall der Mauer bereits erneut Zielscheibe von Attacken, diesmal von Neonazis, sodass er schließlich Zuflucht in Schweden suchte.

Und so ist für den Autor Doug Wright dies Stück mit dem deutschen Titel „Ich mach ja doch, was ich will“ auch ein bisher ungeschriebenes Kapitel schwuler Geschichte und ein Aufruf zur Toleranz gegenüber Minderheiten.

Lothar/Charlottes Schlusswort: „Ich habe kein Problem, das Problem haben die Anderen“. Ein großer Theaterabend. Stehende Ovationen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare