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Die argentinische Cellistin Sol Gabetta erobert die Welt

„Die Musik hat mir Freiheit gegeben“

Hannover. Sie hat kein Problem mit ihrem Vornamen. Immerhin gab es in ihrer argentinischen Heimat an ihrer Schule fünf oder sechs Mädchen, die Sol hießen. Allerdings trifft das Adjektiv „sonnig“ auf Sol Gabetta nur bedingt zu. Weil sonnige Gemüter als unbedarft eingestuft werden. Sol Gabetta allerdings ist klug, zielstrebig und hoch konzentriert. Die Sonne mag sie trotzdem.

veröffentlicht am 21.10.2010 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:21 Uhr

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Autor:

Rainer Wagner
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Sie ist noch keine 30, hat als 17-Jährige beim ARD-Musikwettbewerb in München auf sich aufmerksam gemacht und während des Studiums ihre erste CD eingespielt. Fünf weitere folgten, die bei Publikum und Kritik gleichermaßen gut ankamen.

Wo sie so gut Deutsch gelernt habe, ist die naheliegende Frage. Nicht in ihren Jahren in Basel, sondern in Berlin, wo sie an der Musikhochschule Hanns Eisler bei David Geringas ihr Konzertexamen ablegte. Ob man Deutsch können müsse, um die deutsche Musik und Kultur verstehen zu können, hätte sie vorher wohl verneint. Aber „jetzt sehe ich das anders“. Sie lebt und lehrt schließlich in Basel.

Aufgewachsen ist sie im argentinischen Córdoba als eine von zwei Töchtern eines Argentiniers und einer französischen Mutter, deren russische Eltern sich in Frankreich kennengelernt hatten. Die Mutter ist musikalisch und spielt Klavier, ein Bruder hat sich die Violine ausgesucht und ist gefragter Barockgeiger. Eigentlich wollte Sol Gabetta ebenfalls Geige spielen. Dann bekam sie durch Zufall ein Cello in die Hand, das sie sofort ausprobierte. Jetzt hat sie mit dem Guadagnini-Cello, das sie als Leihgabe spielt, ein Meisterinstrument in den Händen. Auf den Namen und den Wert komme es gar nicht so sehr an: „Spricht es die Sprache, die meiner Seele entspricht?“ Immerhin will sie mit ihrer Musiksprache die Menschen berühren.

Wann sie sich dazu entschied, Musik zum Beruf zu machen: „Musiker ist kein Beruf. Er wird dazu, wenn sich herausstellt, dass man seine Passion zum Beruf machen und von seiner Leidenschaft leben kann.“ Für Sol Gabetta war das Musizieren ein Weg, sich zu befreien. „Kinder werden immer reglementiert, die Musik hat mir Freiheit gegeben.“ Dass man sich als Musikschülerin Regeln unterwerfen muss, schmälere die Befreiungsaktion nicht.

Als Kind verblüffte sie bei der Aufnahmeprüfung für einen musikalischen Kindergarten die Juroren damit, dass sie eine Vivaldi-Melodie vorsang. Sie hat als Kind viel im Chor gesungen. Bislang begnügt Sol Gabetta sich damit, als Zugabe das Dolcissimo aus Peteris Vasks Cello-„Book“ zu intonieren, bei dem die Solistin mitsingt – was hannoversche Pro-Musica-Abonnenten vor drei Jahren miterleben durften.

Sol Gabetta ist am Dienstag Solistin im Pro-Musica-Konzert des Helsinki Philharmonic Orchestra im Kuppelsaal Hannover.

„Ich wollte nie jemand anderes sein“: Sol Gabetta ist am Dienstag live in Hannover zu erleben. Foto: Marco Borggreve



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