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Mit Chansons und intensiven Texten: Sandra Kreisler und Roger Stein

Die Macht der Worte

Ottenstein. „Die guten alten Drogen, waren noch echt und unverlogen und wurden biologisch angebaut. Die heutigen Substanzen sind doch weit entfernt von Pflanzen. Als noch E-Gitarren brüllten und die großen Stadien füllten, gab es Dosenbier ganz ohne Dosenpfand in unserm Land.“

veröffentlicht am 27.08.2012 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

Andrea Gerstenberger
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Ja, die gute alte Zeit ist es, über die Sandra Kreisler sinniert auf der Bühne im Saal des Gasthauses Hahn in Ottenstein. Von der aussterbenden Spezies der Kreuzberger Großstadtpunks handelt das Stück „Pensionierte Punks“ und das ländliche Publikum amüsiert sich bestens. Es sind die wortintensiven Texte mit den eingängigen Melodien von ihrem Partner Roger Stein, mit denen die wortgewaltige Chansonnette ihr belesenes Publikum begeistert und das ihren schwarzen, poetischen Wiener Humor versteht. Wer hier sitzt, der genießt jedes Wort der Tochter des unvergessenen, tiefsinnigen Georg Kreisler.

„Man kann einen Menschen aus Wien herausbringen, aber man kann Wien nicht einem Menschen herausbringen“, erklärt die amerikanische Staatsbürgerin, die in München geboren wurde und heute in Wien und Berlin-Kreuzberg lebt, achselzuckend und singt im nächsten Stück „in meinem Kopf ist noch so viel weites Land“.

Ohne Band, nur mit Roger Stein am Klavier, ist es ein intimes Programm der beiden, das auch von den Soli des Schweizers lebt, und sei es nur mit einer Salzmühle als Instrument. Stein schreibt nicht nur die Musik und spielt Klavier, sondern erzählt auch seine eigenen Geschichten, wie die von seinem Opa Fritz aus dem Berner Oberland und der Weisheit, dass es tief in seinem Herzen noch nach Pferdemist riecht. Mit seiner zärtlichen Stimme schafft er die romantischen Stimmungen an diesem Abend, der ansonsten von der Macht des Wortes lebt. Und die lebt Sandra Kreisler voll aus. Zum Beispiel im Chanson über die „Klofrau im Kanzleramt“ oder die „Beifahrer der Belanglosigkeit“, in dem es heißt: „Für den Hunger dieser Seelen gibt es kein Brot mehr und doch rollen wir vorwärts, als ob alles im Lot wär.“

Ganz am Anfang ihres Programms „Wortfront“ singt sie nur zum Takt des Metronoms über die Zeit. „Wir brauchen Zeit, um keine Zeit zu verschwenden, um noch ein bisschen hier zu sein.“ Das wünschen sich auch die Gäste zum Ende des Abends und fordern vehement vier Zugaben.

Wortgewaltig: Sandra Kreisler im Gasthaus Hahn. Foto: ag



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