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Wie kann man heute die islamische Kunst präsentieren? Hamburg wagt einen Versuch

„Die Leiden einer jungen Muslima“

Hamburg. Krüge, Vasen, Schalen, immer wieder Krüge, Vasen, Schalen: Ein ganzer Raum ist damit gefüllt. Entstanden ist diese Gefäßkeramik zwischen dem achten und 18. Jahrhundert, irgendwo zwischen Spanien und Indien. Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sollen diese Krüge, Vasen und Schalen einen Zweck erfüllen: Sie sollen deutlich machen, wie vielfältig die islamische Kunst war und ist.

veröffentlicht am 10.04.2015 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:36 Uhr

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Autor:

Martina Sulner
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Von diesem Sonntag an ist in dem Haus die neu eingerichtete Sammlung Islamische Kunst zu sehen. Gemeint ist damit Kunst aus islamisch geprägten Ländern. Die Neugestaltung, sagt Direktorin Sabine Schulze, sei ein programmatischer Schritt – auch räumlich wolle man dieser vielfältigen Kultur das Gewicht geben, das sie verdiene. Auf knapp 400 Quadratmeter wurde die Sammlungsfläche verdoppelt. 400 Quadratmeter, um Kunst aus einem riesengroßen Gebiet und aus weit über 1000 Jahren zu präsentieren? Und das in einer Zeit und bei einer gesellschaftlichen Stimmung, in der schon das Wort Islam Ressentiments, wenn nicht gar offene Ablehnung, hervorruft? Islam, Islamismus, „Islamischer Staat“ – diese Assoziationskette funktioniert bei nicht wenigen.

In dem Museum will man dezidiert „dem verbreiteten Vorurteil entgegenwirken, der Islam sei eine in sich geschlossene Welt, die durch ein einheitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet ist“. Vielmehr möchte man laut Direktorin Schulze zeigen, „welche Innovationen, welche Leistungen diese Kultur geschaffen hat“.

Doch hilft der neu gestaltete Trakt tatsächlich, jenen „differenzierten Blick auf den Islam zu werfen“, den sich Nora von Achenbach, die die Sammlung Ostasien und Islam leitet, wünscht? Die Präsentation ist zeitgemäß und überzeugend: Jeder Raum steht unter einer Überschrift – etwa „Poesie und Figuration“ oder „Glaube und Spiritualität“. Im „Poesie“-Raum kann der Besucher zum Beispiel ein persisches Gedicht bewundern, das Künstler im 18. Jahrhundert mit irisierender Tusche auf vergoldetes Papier geschrieben haben. Und im „Glaube“-Raum wird prägnant die hohe Bedeutung der Schrift im Islam erklärt und anschaulich gemacht.

Die Berliner Zeichnerin Tuffix stellt in ihrem Comic die Frage: „Do I need to choose?“ Graphic Novels wie diese sind auf 400 Quadratmetern in der neu eingerichteten Sammlung Islamische Kunst im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen – neben antiker Gefäßkeramik wie dieser Wasserpfeife aus dem 17. Jahrhundert (Foto u.). Soufeina Hamed/Ro- man Raacke

Erst zum Abschluss des Rundgangs durch die Sammlung sind reichlich Bilder zu sehen: aktuelle Graphic Novels und Animationsfilme. Darin nehmen junge muslimische Künstler „Stellung zu den Vorgängen in ihren Ländern“, sagt Museums-Chefin Sabine Schulze. Fast schon historisch wirkt der Comic von Zeina Abirached, die in „Das Spiel der Schwalben“ vom Alltag ihrer Familie während des Bürgerkriegs im Beirut der 1980er Jahre erzählt. Die Berliner Zeichnerin Tuffix schildert in ihren Comics ironisch „Die Leiden einer jungen Muslima“.

Die Sammlung mit ihren 270 unterschiedlichen Exponaten – darunter auch Teppiche, Stoffe und Fliesen – ermöglicht einen kurzen Einblick in die islamische Kunst. Beim Rundgang fragt man sich, wie wohl auf 400 Quadratmetern eine Schau über christliche Kunst aussehen könnte – von frühmittelalterlichen Tonscherben aus Italien bis zu moderner Videokunst aus Skandinavien. Weder „die“ christliche noch „die“ islamische Kunst lässt sich in solch einem Rahmen darstellen, geschweige denn erklären. Und doch bekommt der Besucher im Museum für Kunst und Gewerbe eine leise Ahnung davon, wie vielfältig und schön vieles aus der islamischen Kunst ist. Die unschönen Dinge aus dem Alltag islamischer Länder entnimmt man weiterhin den Medien.



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