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Romantisierte Jugendgewalt mit den Ochsenknecht-Brüdern

Die Leiden des jungen Gangsters

Kaum haben die Brüder Ochsenknecht, Jimi Blue und Wilson Gonzalez, den „Wilden Kerlen“ die Mitgliedschaft gekündigt, treten sie dem nächsten Verein bei – als knallharte Burschen mit und ohne Knasterfahrung. Und so kommt es, dass Flo seinen Bruder nach verbüßter Haft vom Gefängnis abholt – nur um mit ihm in den nächsten Schlamassel zu geraten. Ein Bandenführer im persilreinen Weiß will sein Geld zurück. Doch woher nehmen und nicht stehlen?

veröffentlicht am 01.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:21 Uhr

Enge Brüderbande: Jimi Blue und Wilson Gonzales Ochsenknecht.

Autor:

Michael Ranze
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Rainer Matsutanis neuer Film ist der missglückte Versuch, die Mythen des Gangsterfilms für ein jugendliches Publikum aufzubereiten. Dazu gehört auch die Romantisierung des Gangsters, der nicht (wie die anderen Jungs) ein Langweiler ist, sondern als Außenseiter der Gesellschaft ein aufregendes Leben verspricht. In einer emblematischen Szene lässt sich einmal der Unterschlupf der Gang nur mit einem Boot erreichen. Eine kleine Insel, herausge-löst aus der Gesellschaft und ihren Zwängen. Als Gegenentwurf dient ein schönes, bürgerliches Mädchen, das Ballett lernt und von einer Karriere in Paris träumt.

„Gangs“ klaut kritiklos die Versatzstücke des Genres. Da gibt es die übertriebenen Brüderbande, den brutalen, weißgekleideten und tätowierten Gegenspieler, den Traum von Reichtum und Anerkennung. Die jugendlichen Delinquenten sind viel zu jung für ihre Straftaten: Geldkurier-Überfall, Waffenbesitz, brutale Gewalt, die auf der Intensivstation endet. Angesichts der aktuellen Diskussionen um Jugendgewalt muss man sich schon wundern, wie unreflektiert hier einem toughen Männlichkeitsbild gehuldigt wird. Einmal greift der Held unserer Geschichte zu Jack Kerouacs „Unterwegs“. Doch in dem literarischen Manifest einer Jugend geht es um Tempo, Jazz, Marihuana, Sex und Freiheit, nicht um Gewalt oder bürgerliche Werte wie Erfolg oder Besitz. Was für ein Missverständnis!

„Gangs“ ist derzeit im Hamelner Maxx-Kino am Bahnhofsplatz täglich um 15.15, 17.15 und 19 Uhr zu sehen.

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