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„100 Dinge“: Konsumverzicht mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz

Die Kunst der Beschränkung

BERLIN. Unsere Urgroßeltern, so teilt es uns dieser Film gleich zu Beginn in einer hübschen Sequenz mit, besaßen gerade einmal 57 Gegenstände. Heute besitzen wir im Schnitt um die 10 000 Dinge.

veröffentlicht am 04.12.2018 um 18:35 Uhr

Florian David Fitz (re.) als Paul Konaske und Matthias Schweighöfer und Toni Katz in einer Szene des Films „100 Dinge“. Der Film kommt am 6. Dezember in die deutschen Kinos. Foto: Warner Bros/dpa

Autor:

Matthias Viereck

Dinge, die unser Leben auf eine Art und Weise im Griff haben, wie sie manch jüngerem (der Haupt-Zielgruppe dieses Films) und dem ein oder anderen älteren Kinobesucher vielleicht gar nicht so richtig bewusst ist. Florian David Fitz (Regie und Hauptdarsteller) und sein Mitstreiter Matthias Schweighöfer (Darsteller und Produzent) nehmen sich, in einer so eingängigen wie durchaus nachdenklich stimmenden Komödie, dieses Themas an.

In „100 Dinge“ geht es um eine Wette, um viel Geld und darum, dass es Sachen gibt im Leben, die wertvoller sind als noch ein Paar Turnschuhe obendrauf, ein weiteres Smartphone. Auf der Darstellerbank finden sich nebst Fitz und Schweighöfer Mimen wie Maria Furtwängler, Hannelore Elsner, Katharina Thalbach, Miriam Stein, Wolfgang Stumph.

Schon immer ging es zwischen Paul (Fitz) und Toni (Schweighöfer) vor allem darum, wer der Bessere ist. Zwar können die beiden nicht ohne einander, nach eigenem Bekunden sind sie gar „beste Freunde“ - vor allem die eine Geschichte aus der 12. Klasse aber (es ging um ein Mädchen), die wird wohl immer zwischen ihnen stehen. Was die beiden Berliner indes nicht daran hindert, eine gemeinsam entwickelte App für viel Geld an einen Mark Zuckerberg-Verschnitt aus den USA zu veräußern.

Bei einer feuchtfröhlichen Party kommt es vor versammelter Belegschaft zu einer folgenschweren Wette: 100 Tage lang müssen die beiden auf alle Gegenstände verzichten; tagtäglich kommt nur ein Ding zurück: sei es eine Unterhose, sei es ein Mantel oder das geliebte Handy. Für zwei so oberflächen-, für zwei so konsumfixierte Menschen wie Toni und Paul ist das eine veritable Herausforderung. Nach der Feier jedenfalls erwachen sie in ihren leer geräumten Lofts: nackt, ohne einen Gegenstand um sich herum.

Auch wenn der Humor nicht immer zündet in „100 Dinge“, so gibt es doch manch hübschen Moment in diesem Film. Vor allem Maria Furtwängler macht auf sich aufmerksam, einer denkbar kleinen Rolle zum Trotz. Furtwängler gibt eine Riesen-Zicke mit einer riesigen Brille, der Fitz als Drehbuchautor einige knallige Sätze in den Mund legt.

In Sachen Motivauswahl indes bekleckert sich Regisseur Fitz nicht unbedingt mit Ruhm. Zwar gibt sich „100 Dinge“ recht schnell als Berlin-Film zu erkennen. Dass er und Schweighöfer aber immer wieder über die Oberbaumbrücke (zwischen Kreuzberg und Friedrichshain) laufen müssen (einmal sogar gänzlich unbekleidet), sorgt nicht unbedingt für Abwechslung. Nebst Furtwängler sind es andere Kurzauftritte, die für Lacher sorgen – auch wenn einem mancher Witz im Halse stecken bleibt: Etwa, wenn Wolfgang Stumph klagt, dass sie „uns ‚89 mit dem Wasserwerfer von der Mauer geputzt haben, nur damit wir jetzt: kaufen, kaufen, kaufen“. Wunderbar auch der Auftritt der Aktrice Miriam Stein als kaufsüchtiges Fashion Victim.

Ob man dem, zur Vorweihnachtszeit fröhliche Urständ feiernden Konsumwahn ausgerechnet mittels einer, bei aller Ambition doch eher leichten Mainstream-Komödie, ein Schnippchen schlagen kann, ist fraglich. Und doch verfügt der 100-Minüter über Szenen, die nahelegen, dass es dem Duo Fitz/Schweighöfer hier tatsächlich darum geht, das Zielpublikum zum Nachdenken anzuregen.



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