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Die Herzen und Sinne der Menschheit bewegt

Hameln. Johann Sebastian Bachs "Schwanengesang", sein überragendes Alterswerk, wurde von Hans Christoph Becker-Foss am Wochenende bereits zum vierten Mal in der Marktkirche neu in Szene gesetzt. Die Hauptlast hatte auch diesmal wieder der rund 130 Stimmen starke Chor der Hamelner Kantorei zu tragen, von dem unsere Kritikerin Karla Langehein schreibt, dass er seine Aufgabe in "bewundernswerter, fast schon professioneller Weise meisterte".

veröffentlicht am 03.04.2011 um 14:13 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 22:41 Uhr

Konzert
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Von Karla Langehein

Hameln. Der 119. Psalm von Heinrich Schütz, die letzten Lieder von Franz Schubert oder Beethovens Streichquartett op 135: Sie alle sind letzte Aussagen. Vermächtnisse. Im mythischen Sinn „Schwanengesänge“. Unbestritten der mächtigste unter ihnen ist Bachs h-Moll-Messe. Ein gewaltiges Werk, dessen innere Dimensionen sich nur nach einem Intensivstudium christlich-barocker Kompositionstechniken erschließt, das aber auch ohne letztes Verständnis dieser Zusammenhänge die Herzen und Sinne der Menschheit bewegt.
 So geschehen nun wieder am Wochenende in Hamelns Marktkirche, als Hans Christoph Becker-Foss mit seiner Kantorei und dem Ensemble Schirokko eine insgesamt sehr gelungene, teilweise auch überragende Neueinstudierung präsentierte.
 Das fast zwei Stunden währende Werk stellt allerhöchste Ansprüche an alle Mitwirkenden, vor allem aber an den Chor. Dass Becker-Foss nach dem Prinzip divide et impera den großen Chor abschnittweise in eine Art Kammerchor verwandelte, stellte der Mächtigkeit des Tuttiklangs auf raffinierte Weise eine intimere Variante entgegen. Sechzehn große Sätze, fünf- bis achtstimmig, reich an Koloraturen, teilweise in Extremlagen – eine Aufgabe, die von den rund 130 Sängerinnen und Sängern der Marktkirchenkantorei in bewundernswerter, fast schon professioneller Weise gemeistert wurde. Großartig: das achtstimmige „Osanna“, wie auch das aus dem Pianissimo des „Cruzifixus“ erwachsende „Et resurrexit“.
 Dabei unterstützte sie das in Hameln längst bekannte Ensemble Schirokko aus Hamburg, stets präsent mit einer bombensicheren Bass- und Continuogruppe, in deren Herz Barbara Messmer mit ihrem dynamisch und agogisch pulsierenden Spiel der Violone wirkte – und daneben Raphael Becker-Foss als zuverlässiger Quell punktgenauer Paukenschläge aller Arten.
 Ariose, häufig solistisch begleitete Höhepunkte der Aufführung vom Samstag (um wenigstens einige zu nennen): „Benedictus“ mit Lothar Blum, „Qui sedes“ mit Altus David Erler, die mit zwei Oboi d’amore begleitete Baßarie „Et in spiritum sanctum“, gesungen von Matthias Gerchen, das Duett „Domine Deus“ mit Hanna Zumsande und Lothar Blum sowie das „Laudamus te“, von Verena Usemann eindringlich dargestellt und sehr zart und klangschön von Rachel Harris, der Schirokko-Chefin, begleitet.
 Begeisterte Hörer und langer Beifall für alle und besonders für den geistigen Vater und unermüdlichen Motor der Hamelner Kirchenmusik, Hans Christoph Becker-Foss.



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