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Schuldrama „Erste Stunde“ begeistert im TAB

Die Hausaufgabi

Hameln. Was passiert, wenn sich ein vermeintlicher Lehrer vor die Klasse stellt und sagt: „Ihr habt jetzt genau fünf Minuten Zeit, um mit mir alles zu machen“? Verunsicherung herrscht im jugendlichen Publikum. Dennoch dauert es keine Minute, ehe die ersten Flüche gerufen werden. „Schwuchtel!“ – „Arschloch!“ – „Bettnässer!“ Die Schultasche wird ihm stibitzt, mit Kreide wird er beworfen. Lehrer Mustafa El Rickert (gespielt von Husein El-Award) hat sich mit der Opferrolle abgefunden. Schon als Schüler war er immer der, der anders war, der ausgegrenzt und beschimpft wurde. „Hausaufgabi“ haben sie ihn wegen seiner unleserlichen Schrift genannt. 18 Stunden lang haben ihn seine Mitschüler in den Kartenraum eingesperrt. Dort hat er – wie er erzählt – in den Mülleimer gepinkelt, aber auch einiges über Geografie gelernt.

veröffentlicht am 04.10.2011 um 15:29 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 06:41 Uhr

Husein El-Award spielt den unterdrückten Lehrer.

Autor:

Julia Marre
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„Erste Stunde“ heißt das 2006 mit dem Autorenförderpreis der Landestheater ausgezeichnete Stück von Jörg Menke-Peitzmeyer. Am Dienstagvormittag hat das hannoversche Klecks-Theater seine Inszenierung (Harald Schandry) aufs TAB gebracht. Schnell gerät dort der Frontalunterricht zum Mitmachzirkus, verwischen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Es ist ein ungewöhnliches Experiment, das – Grenzüberschreitung hin oder her – geglückt ist. Denn zur Reflexion hat das Ein-Mann-Drama durchaus beitragen können. Ein sich an die kurze Aufführung anschließendes Publikumsgespräch ist überaus aufschlussreich. Denn die Erzählungen des „Opfers“ auf der Bühne kreisen um ein Thema, das jeder im Publikum kennt: Mobbing. Ein Thema, zu dem jeder etwas beitragen kann – ob aus der Rolle des Opfers oder des Täters.

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