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Ulla Meinecke las im Theater Hameln aus ihrem Buch „Augenblicke“

Die „geschriebenen Polaroids“

Hameln. Ein Lichtspot erhellte den Platz. Auf der Theaterbühne ein Stuhl, dahinter ein Tisch, darauf ein Mikrofon und das obligatorische Glas Wasser – es war ganz augenscheinlich eine Lesung, was denn sonst. Ulla Meinecke las, ja. Aber sie hatte weitaus mehr zu bieten, als bloß sorgfältig ausgewählte Passagen aus ihrem Buch vor einem vielleicht mehr, vielleicht auch weniger literaturinteressierten – dafür wohl um so mehr musikbegeisterten – Publikum zu rezitieren.

veröffentlicht am 01.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:41 Uhr

Autor:

Alda Maria Grüter
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Ulla Meinecke erzählte. Lebhaft und in sympathischem Plauderton. Sie ließ das Hamelner Publikum dabei tief schauen in das Drumherum der „Augenblicke“, die sie in ihrem Buch bündelt: Eigene Songtexte, Bühnengeschichten, Essays und Episoden aus ihrem Leben und den Stationen ihrer musikalischen Karriere. Da geht es um witzige, um traurige, um fröhliche und auch um skurille Sachen.

Doch Moment mal: Eine Biographie, stellte Ulla Meinecke klar, sollte das Buch, das den gleichen Titel trägt wie das 2005 erschienene Album „Augenblicke“, nicht sein. „Ob ich mit fünf Jahren vom Roller gefallen bin, das interessiert doch keinen – nicht einmal mich“, sagte die 56-Jährige, fügte aber augenzwinkernd hinzu, dass sie es geschafft habe, das Buch zu schreiben „ohne sich zu rächen“.

Vom Dorf in

die Großstad

Wie auch immer – man erfährt, dass es die 1953 in Hessen geborene Ulla Meinecke schon früh weg zog vom Dorf in die Großstadt – auf Frankfurt folgte Hamburg und schließlich das damalige West-Berlin, wo es auf dem kreativen Pflaster nur so brodelte. Richtig zu leben begonnen, habe sie im Herbst 1970: „Morning has broken – und alles war meins“. Und wie das Mädchen, das keine Band als Gitarristin haben wollte, plötzlich mit Rocklegende Udo Lindenberg zusammenarbeitete, ist natürlich auch kein unwichtiges Ereignis.

Humorvoll, und auch mal (selbst)-ironisch sind die „geschriebenen Polaroid“. Und nicht unerwähnt lässt Ulla Meinecke jene Momente im Leben einer Musikerin, in denen innerhalb von Augenblicken alles Erreichte an die Wand gefahren wird.

Allem zum Trotz mischt sie seit mehr als 30 Jahren kräftig mit in der deutschen Musikszene. Mit dem Gitarristen Ingo York an ihrer Seite bekam das Publikum insbesondere im zweiten Teil der Lesung die Sängerin Ulla Meinecke zu sehen – und vor allem zu hören. Ihre Stimme – rauchig, tief und warm – beeindruckte nicht nur bei dem Song „Ein großes Herz“.

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