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„The Dark Knight Rises“: Warum der „Batman“-Streifen auch als Filmkunstwerk Würdigung verdient

Die Fledermaus leidet unter Knieproblemen

Bruce Wayne hat Kniebeschwerden. Besser kein „Heli-Skiing“ mehr, sagt der Arzt und spricht von schlimmen Knorpelschäden. Ein Skiwochenende hatte Wayne, der auch der Fledermaus-Rächer Batman ist und immer wieder Gotham City vor dem Untergang rettet, sowieso nicht geplant. Vor acht Jahren zog sich der humpelnde Wayne ins Herrenhaus zurück, damals wurde Batman als vermeintlicher Mörder gebrandmarkt. Bei diesem Mann ist tief drin mehr kaputt als nur das Kniegelenk.

veröffentlicht am 23.07.2012 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Stefan Stosch
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Aber ein Superheld mit schmerzenden Knochen: Wo gibt es denn so was? Regisseur Christopher Nolan treibt dem Fledermaus-Mann – der 1939 als Alternative zu Superman geboren wurde – seine Comic-Attitüden aus. Der schwarze Ritter wird in „The Dark Knight Rises“ zum schmerzgeplagten Kriegsversehrten. Die Zeit für Superhelden läuft ab. Doch Batman muss noch mal ran – mit Hightech-Kniegelenk-Manschette, gefertigt von Tüftler Lucius Fox (Morgan Freeman).

Gotham City ist in Gefahr: Bane verspricht, die Reichen abzustrafen. Der Muskelmann mit Hannibal-Lecter-Gedächtnismaske ist die Perversion der Occupy-Bewegung. Er hetzt die Armen gegen die Vermögenden auf. Er zettelt Standgerichte an und nimmt eine ganze Stadt als Geisel. Er lässt die sonst so coolen Finanzjongleure bibbern. Wie nebenbei flicht der Regisseur solche Verweise auf die Wirklichkeit in sein Popcorn-Kino ein – das gerade dadurch als Fantasiegeburt erkennbar bleibt. „The Dark Knight Rises“ ist erschreckend aktuell durch das, was auf der Leinwand geschieht.

Und trotzdem: Braucht der Kinozuschauer Batman, bloß weil Gotham City Batman braucht? Man verliert doch sowieso schon den Überblick, welcher Superheld sich in welcher Produktionsschleife befindet. Superman, Spider-Man, The Avengers und wie sie alle heißen, werden vorgeführt wie neue Automodelle. Angeblich handelt es sich stets um Sensationen, tatsächlich lassen sich die Produkte kaum auseinanderhalten.

Im Hollywood-Kino ist das oft genauso. Aber nicht in diesem Fall. Bruce Wayne, zum dritten Mal gespielt von Christian Bale, hat mehr Charakter als seine Heldenkollegen. Das Batman-Kostüm ist für ihn zum Fluch geworden, die Tarnexistenz hat seinen Lebenswillen als Multimilliardär Bruce Wayne aufgezehrt. Todessehnsucht plagt ihn.

Das Update ist das Verdienst von Nolan, dem Independent-Regisseur („Memento“), der zur Verwunderung vieler vor acht Jahren dieses Hollywood-Franchise übernahm und zu seiner Sache machte. Ein Autorenfilmer mischt das Mainstreamkino auf. Schon mit dem Gedankenthriller „Inception“ (2010) bewies Nolan, dass Blockbuster überraschen können.

In „Batman Begins“ (2005) drang Nolan zu den Urängsten seines Helden und zu denen von uns allen vor. In „The Dark Knight“ (2008) stellte er ihm einen Anarchisten-Clown (Heath Ledger) gegenüber, dem es allein ums Chaos ging. Die schwierige Nachfolge als Oberbösewicht hat Tom Hardy angetreten. Das ist ein nüchternerer, überzeugender Schurke mit intelligenter Brutalität. Wenn er einem Gegner die Kehle zudrückt, dann mit Kalkül. Der Mann mit der metallisch klingenden Stimme schwingt sich auf zum Volkstribun, der das Volk in den Abgrund führen will.

Konzessionen ans Blockbuster-Kino muss auch Nolan machen. Über den zerfurchten Polizeichef Jim Gordon (Gary Oldman) und den stur-treuen Butler Alfred (Michael Caine) streut er nervige Verweise auf den Beginn der Trilogie ein. Zwischendurch verliert er sich in Nebenkriegsschauplätzen. Ein gutes Weilchen braucht es, um die Frauen im Batman-Universum, die Catwoman-Diebin (Anne Hathaway) und die undurchsichtige Menschenfreundin (Marion Cotillard), zu verorten. Und der junge Polizist (Joseph Gordon-Levitt) stiehlt Batman gelegentlich beinahe die Schau.

Dennoch verfliegen die 164 Kinominuten schnell. Die Geschichte – endzeitmäßig aufgeputscht durch Hans Zimmers Musik – geht nicht in Computer-Gedöns und Schnitt-Gewitter unter. Der Terror auf der Leinwand bleibt greifbar.

Nach dieser spektakulären Trilogie wünscht man Bruce Wayne, dass er sein Fledermaus-Kostüm erst mal an den Haken hängen darf. Christian Bale steht dem Warner Studio nicht mehr zur Verfügung. Auch Regisseur Nolan mag nicht mehr. Und doch wird angeblich bereits an der nächsten Fledermaus-Version gefeilt.

Morgen feiert „The Dark Knight Rises“ Premiere im Maxx-Kino Hameln: um 14, 17.20 und 19.30 Uhr.



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