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Ein humorvoller Abend mit Loriot-Sketchen und Musik

„Die Ente bleibt draußen!“

HAMELN. Loriot, der Meister des leisen und hintergründigen Humors, hatte am Wochenende das Sagen in der Rattenfänger-Halle. Dort wurden seine berühmtesten Sketche aufgeführt.

veröffentlicht am 04.02.2018 um 19:02 Uhr
aktualisiert am 04.02.2018 um 21:30 Uhr

Herren im Bad mit Quietscheente – dieser Klassiker durfte natürlich im Loriot-Programm nicht fehlen. Foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter
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Ein Strauß zum Aufwärmen – die „Fledermaus“ siebenstimmig, vorwiegend Streicher und der Chef am Klavier. Schließlich war es die Kammeroper Köln – eine kleine Bühne mit großen Stimmen – , die am Freitagabend die Rattenfängerhalle, wenn auch nicht ganz füllte, aber für reichlich Publikum sorgte. Was im angestammten Theaterchen mit 333 Plätzen sicher live auskommt – für die Hamelner Halle kam der Ton aus den Kehlen über Verstärker. Was den Sketchen etwas den intimen – so oft häuslichen – Rahmen nimmt. Wie in der immer wieder genialen Diskussion ums Frühstücksei – dem ewigen Missverständnis zwischen Mann und Frau und der Diskrepanz von exakt viereinhalb Minuten, die gefühlsmäßig gewissen gefühlten Schwankungen unterliegt. Eindeutig ein Mordmotiv.

Auch der Dialog „Garderobe“, wenn ihm – auch kein wirklicher Sympathieträger – jedes Wort ins Ego-Gegenteil verdreht wird. Egal was er auch sagt – ob rotes, grünes oder blaues Kleid – , er wird Opfer weiblicher Logik, wie sie nur Loriot so entfalten konnte. Immer wieder eine Wonne: die „Herren im Bad“, die zuletzt in unserem Theater so tapfer wie nackt für Lacher sorgten – während sie hier mit ihren Handtüchern wie verhinderte Toreros mit ihren „Capas“ wirken.

Umso schöner dann der Abspann mit einem dritten Mann, der Anspruch auf das Bad anmeldet, angesichts der Ente überraschend Lohengrins „Nun sei bedankt mein lieber Schwan“ ins Publikum schmettert.

Viel Musik zwischen den Sketchen, so das bezaubernde Duett Papageno und Papagena aus Mozarts „Zauberflöte“ mit den vielen angepeilten „Kinderlein“, aber auch die „fesche Lola“ und Lehars Superhit „Dein ist mein ganzes Herz“ und vor dem Frühstücksei „Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn“ intoniert und anschließend: „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ – und alleweil passend und aktuell: „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“.

„Ein Klavier! Ein Klavier!“ – Titel des bunten Abends – durfte nicht fehlen, so wenig wie das „Jodeldiplom oder die berühmte „Fernsehansage“. Ein Manko: statt sich zu verheddern und genau das peinlichst verhindern zu wollen, wird hier schrill um Pointen gekämpft, statt sie passieren zu lassen. Regie: Volker Hein. „Geigen und Trompeten“ – einer der sprachwitzigen Sketche, wie sie für Loriot so typisch sind und These und Antithese nie zur Synthese führen, sondernins Chaos.

„Schmeckt’s“ als Finale und vorgeführt, wie man unversehens vom Opfer zum Täter wird. Und so zwischendrin ein bisschen „My fair Lady“, bis es schlussendlich russisch wird. Vier Männer – Wolfram Fuchs, ein Komödiant der nicht nur beim Jodeldiplom überzeugt, Peter S. Herff in vielen Rollen wie in „Das Ei“. Dominic Kron, der vor allem als Tenor überzeugt, auch dort, wo er eigentlich Bariton sein müsste und Martin-Maria Vogel im Bad. Herrlich schrullig Sabine Barth – Ausnahme als Fernsehansagerin – ,Claudia Dalchow in ganz unterschiedlichen Rollen, wie auch Lisa Ströckens.

Ein wirklich amüsanter Abend und einmal mehr bewiesen: irgendwie unsterblich dieser Loriot, auch wenn er samt Möpsen längst das Zeitliche gesegnet hat.



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