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Spitzenleistung – auch in „Schläppchen“: Ballett „Vier Jahreszeiten“ im Theater

Die eigene Handschrift umgesetzt

Hameln. Sie verfügen allesamt über eine enorme Sprungkraft, die Tänzer des Landestheaters Detmold. Und das können sie bei ihrer jüngsten Ballett-Produktion ausgiebig zeigen. Mit wunderbarer Leichtigkeit durchmessen sie im gesprungenen Spagat die Bühne, scheinbar mühelos fliegen sie in schwierigen Drehungen durch die Luft. Und sie sind, mit kleinen Einschränkungen, auch sonst ein sehr tüchtiges Ensemble.

veröffentlicht am 13.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 04:21 Uhr

Die Figuren wirken wie Scherenschnitte – das Detmolder Bal

Autor:

Karin Heininger
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Lowe choreografiert konzertanten Bestseller

Zwei klassische Werke hatte sich Ballettmeister Richard Lowe für seine Inszenierung vorgenommen: Antonio Vivaldis ,,Vier Jahreszeiten“ und die Sinfonie 104 von Joseph Haydn. Keine Handlungsballette, wenn auch in Vivaldis konzertantem Bestseller die Jahreszeiten wie die Lebensläufe musikalisch beschrieben sind: der springlebendige Übermut des Frühlings, die reife Lebenskraft des Sommers, die gelassene Ruhe des Herbstes, die Müdigkeit des Winters, vom Orchester des Theaters unter Jörg Pitschmann dynamisch vorgetragen. Das hätte durchaus noch etwas akzentuierter und schlüssiger choreografiert werden können. Auch fragt man sich, warum der Ballettmeister nur am Anfang und am Ende des Stückes seine Tänzerinnen auf die Spitze stellt – dazwischen tanzen sie in leichten ,,Schläppchen“.

Was die Choreografie sehr reizvoll macht, sind moderne Einschübe, die den klassischen Tanz unterbrechen. Und hier liegt die besondere Stärke der Gruppe, vor allem der ausdrucksstarken, dynamischen Tänzer. Im klassischen Bewegungs-Repertoire gibt es zunächst kleine Unsicherheiten. Später spielt sich alles ein, und die Zuschauer können die schönen Bilder uneingeschränkt genießen. Vor dem ästhetisch gelungenen Hintergrund mit überdimensionalen Blätterzweigen (Bühnenbild: Pia Wessels) werden durch wechselnde Beleuchtung reizvolle Effekte erreicht, zeitweise wirken die Figuren der Paare wie filigrane Scherenschnitte – einfach zauberhaft.

In Haydns Sinfonie kann das Ensemble sich von der komischen Seite zeigen. Aus clownesken Figuren werden elegante Tanzpaare, wobei der Kostümwechsel locker in die Choreografie eingebaut wird – eine witzige Idee. Dann gehört die Bühne den Solisten: Patricia Bernardi und Gaetan Chailly, umwerfend komisch in Gestik und Mimik und sehr ausdrucksstark als altes Paar. Charline Dujardin ist eine reizvolle Schöne und Mikel Larrabeitl ein eleganter ballerino.

Fünf Tänzer und fünf Tänzerinnen: Es ist kein großes Ballett-Ensemble in Detmold, aber eine Truppe, die beachtliche Leistungen zeigt, und ein Choreograf, der unbeirrt seine eigene Handschrift umsetzt. Zum Schluss gab es viel Beifall.



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