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In der Pause schon verließen einige Besucher das Theater

„Die Blume von Hawaii“ stand nicht in voller Blüte

Hameln. Zu den herausragenden Gestalten der sogenannten „Silbernen Ära der Operette“ zählte der Ungar Paul Abraham. Mit „Viktoria und ihr Husar“ errang er 1930 einen Welterfolg, dem schon ein Jahr später mit der „Blume von Hawaii“ ein zweiter folgte. Kann man nun die von Südsee-Romantik, politischen Wirren und natürlich Liebe in allen Variationen geprägte, musikalisch aber hochwertige Operette „Die Blume von Hawaii“ heute noch im Original spielen?

veröffentlicht am 07.12.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:21 Uhr

Lina Liu als Prinzessin Laya und Bernardo Kim als Prinz Lilo-Tar

Autor:

Ernst Wilhelm Holländer
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Das Theater Osnabrück hat sie modernisiert, im musikalischen Bereich gar den besonderen Sound der Entstehungszeit erweckt. Nun gastierte man damit im natürlich voll besetzten Theater Hameln, denn dieses Stück mit den wunderbaren Melodien, allesamt zu Schlagern geworden, wollte man doch genießen. Da trat zunächst vor dem Vorhang ein Liebhaber des Inselreiches Hawaii auf und machte durchaus Lust, diesen Archipel kennenzulernen. Tobias Rott machte das sehr hübsch und witzig.

Aber die Lust verging bald, als man im Bühnenbild von Jan Freese Katja Wolfs Regiekonzept erkannte. Sie hat das Stück kräftig gegen den Strich gebürstet und schüttete ein Füllhorn aller mehr oder weniger lustigen Zutaten aus, dabei überwiegend Klamauk, Albernheiten, Plattitüden und leider sogar Geschmacklosigkeiten. Die Kostüme (Heike Seidler) passten sich an: Man denke an die durchaus nicht stattlichen Uniformen der Amerikaner und das wohl exotisch gedachte Äußere der Einheimischen.

Und die Sängerdarsteller mussten das so spielen. Was etwa hatte man Eva Schneidereit als Bessie an Gesten und schrillem Auftreten zugemutet! Wie wirkte das alberne Lachen ihres Onkels, immerhin Gouverneur von Hawaii, bei Paul Weismann; welche Figur machte Stefan Kreimer als John Buffy? Und auch der Kapitän des amerikanischen Schiffes war bei Andreas Früh keine Respektsperson. Immerhin: Man hörte gute Stimmen, leichte beim Buffopaar, glänzende etwa bei Kapitän Stone. Gleiches gilt für den Chor bei seinen Auftritten: Er sang klangschön, musste aber unsägliche Gesten zeigen: Schunkeln, Händewedeln, Aufstampfen. Und wenn Jim Boy (Martin Koch) das doch oft anrührende „Bin nur ein Johnny“ singt: Müssten dahinter die Übrigen ihre Faxen machen? Da kommt keine Freude, schon gar nicht Stimmung auf! Allerdings: Stimmlichen Glanz und etwas zurückhaltendere Darstellung boten Lina Liu als Prinzessin Laya und Bernardo Kim als Prinz Lilo-Taro. Ihre Duette etwa konnte man genießen. Auch Anja Meyer als Raka war stimmlicher Pluspunkt. Über allem thronten ja Sterne: die unvergänglichen musikalischen Kostbarkeiten aus der Notenfeder Paul Abrahams.

Am Pult stand Till Drömann und bemühte sich mit dem hierzulande aus mehreren Aufführungen geschätzten Osnabrücker Symphonieorchester um klangliche Delikatesse. Wohl nicht vertraut mit der Akustik unseres Hauses, dominierten aber die Blechbläser, und so wurde es laut und oft richtig fetzig. Auf der Bühne hatte man damit keine Probleme: Es gab ja Mikrofone, wie man das heute beim Musical kennt.

Das Publikum reagierte offensichtlich unterschiedlich. Nicht wenige Besucher verließen in der Pause das Haus. Die Übrigen hielten durch, spendeten viel Beifall für die immerhin gezeigten Leistungen der Künstler. Einige haben sich, wie der Rezensent, allerdings über lange Strecken gequält.



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