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Die Biologielehrerin in der Metalband: Inga Scharf bei Van Canto

Von Julia Marre

Stadtoldendorf/Hameln. Eigentlich war alles ein großer Zufall. Knapp vier Jahre ist es nun her, dass Inga Scharf einen Anruf von Stefan Schmidt bekam, der sie aus der Musikszene kannte. Er hatte die Sängerin mal aushilfsweise als Background-Sänger bei ihrer Stadtoldendorfer Band Fading Starlight unterstützt. „Stefan hatte die Idee, rein stimmorientiert Metal zu machen“, sagt Inga, „ohne Instrumente“. Gemeinsam mit anderen Musikern und Sängern, die zu der Zeit allesamt in „mehr oder weniger, aber eher weniger bekannten Metalbands“ gespielt hatten, entstand ein Studioprojekt: Metal a cappella, nur von einem Schlagzeug begleitet.

veröffentlicht am 02.04.2010 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:41 Uhr

van canto
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Von Julia Marre

Stadtoldendorf/Hameln. Eigentlich war alles ein großer Zufall. Knapp vier Jahre ist es nun her, dass Inga Scharf einen Anruf von Stefan Schmidt bekam, der sie aus der Musikszene kannte. Er hatte die Sängerin mal aushilfsweise als Background-Sänger bei ihrer Stadtoldendorfer Band Fading Starlight unterstützt. „Stefan hatte die Idee, rein stimmorientiert Metal zu machen“, sagt Inga, „ohne Instrumente“. Gemeinsam mit anderen Musikern und Sängern, die zu der Zeit allesamt in „mehr oder weniger, aber eher weniger bekannten Metalbands“ gespielt hatten, entstand ein Studioprojekt: Metal a cappella, nur von einem Schlagzeug begleitet. Ohne sich persönlich zu treffen, sangen die Musiker ihre Stimmen im Studio ein. Erst beim Videodreh zu „The Mission“ lernten sie sich kennen. Gedacht war das Studioalbum „A Storm to Come“ bloß als einmaliges Projekt, als Spielwiese. Doch dann verselbstständigte sich alles. Über die Internetseite der Musiker fragten Veranstalter nach Auftritten der Band. „Und wir wussten ja überhaupt nicht, ob das mit dem Gesang auch live klappt“, sagt die 28-Jährige. Gemeinsam mit Technikern wurde vieles ausprobiert. Vier bis fünf Liveauftritte waren nötig, um das optimale Set zu erreichen. „Heute haben wir live alle einen Knopf im Ohr, hören dadurch unsere eigene Stimme und den Rhythmus.“
 Van Canto heißt die Band, die 2006 aus dieser Ausnahme-Idee entstand. Das Besondere: Die Sänger spielen keine Instrumente, sondern imitieren mit Gesang die Rhythmus- und Sologitarren, Bass und Keyboards. Das Schlagzeug unterstützt die Musiker „aus Metalgründen“, wie Inga sagt: „Denn die Double-Bass mit dem Mund nachzuahmen, das hätte zu viele Beatboxer dahingerafft…“
 In den vier Jahren mit Van Canto hat die Sängerin aus Stadtoldendorf einiges erlebt. Während sie zuvor nur als Besucherin zum legendären Mestalfestival „Wacken Open Air“ nach Schleswig-Holstein gefahren war, ist sie mittlerweile selbst dort aufgetreten. 2008 sang die Band auf der kleinen Bühne. „Es war total abgefahren, beim Festival mal auf der anderen Seite stehen zu dürfen“, sagt die 28-Jährige. Backstage begegnete sie international bekannten Szenegrößen. Doch trotz des Erfolges der inzwischen drei Alben: „Von Metal kann man heutzutage in keiner Weise leben.“ So ist Inga Scharf innerhalb der Woche Lehrerin. An einem Gymnasium in Rheinland-Pfalz unterrichtet sie Biologie und Sport. „Und aus den Wochenenden mit seinen Auftritten schöpfe ich meine Kraft.“ Dass auf den Musikern nicht der Druck lastet, von ihrem Hobby ihr Leben finanzieren zu müssen, sei befreiend, meint sie.
 Eines jedoch erstaunt die Musiker: Dass es bisher keine andere A-cappella-Band gibt, die Metal macht. „Wir warten täglich darauf, dass die sich gründet“, sagt Inga Scharf. „Immerhin könnten wir uns dann austauschen, das wäre schön.“ Denn bei Van Canto ist nicht nur vieles anders als bei den üblichen A-cappella-Gruppen, etwa den Wise Guys oder Maybebob. Nein, Van Canto unterscheiden sich auch von üblichen Metalbands in einigen Punkten. „Wir können nicht mal eben im Studio jammen“, sagt Inga. Auch wenn eine hundertprozentige A-cappella-Bandprobe nahezu überall stattfinden kann – „im Mehrfamilienhaus würde das zum Beispiel nicht funktionieren, weil wir zu laute Stimmen haben“, so die 28-Jährige. Also wird in einem Raum geübt, in dem auch Schlagzeuger Bastian Emig dabei ist.
 Beim Songwriting hingegen fallen die Besonderheiten der Band weniger auf. „Unsere Songs entstehen wie normale Lieder zunächst am Klavier oder an der Gitarre, wo Arrangements geschrieben werden. Nur dass wir die dann auf die Stimmen und nicht auf weitere Instrumente übertragen“, erklärt die Sängerin. Wer welches Instrument nachsingt, das ist auch anhand der Silben abzulesen: Mit „Rakkatakka“ vertont Sänger Stefan härtere Gitarrenriffs. „Mommom“ singen die Musiker, wenn’s weich klingen soll.
 Vom Singen fasziniert ist Inga übrigens schon seit ihrem 13. Lebensjahr. „Ich habe mit meiner Familie ein Musical gesehen. Danach wollte ich unbedingt Gesangsunterricht nehmen“, sagt die 28-Jährige. Dort lernte sie neben klassischer Gesangsausbildung auch „alles, was ich für die Rockschiene brauchte“. Am Holzmindener Campe-Gymnasium, das sie besuchte, gab es damals keinen Schulchor. Wenn Inga nicht an eigenen Songs feilt oder Metal singt, interessiert sie sich auch für Oper und Musical. „Und wenn mir etwas von Beyoncé gefällt, dann höre ich auch das“, sagt sie. Zwischen Schulunterricht und Metalkonzert wünscht sich Inga Scharf für die Zukunft der Band vor allem eines: „dass wir weiterhin so viel Spaß miteinander haben – und ein Auftritt auf der Main Stage in Wacken wäre toll: natürlich am Samstag um 21 Uhr“.

- Van Canto, die Band mit den fünf Sängern, ist am Freitag, 9. April, in Hameln live zu erleben. Um 20.30 Uhr tritt die Gruppe während ihrer „Tour of Force“ in der Sumpfblume auf.

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