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Jan Delay gibt am Donnerstag den Rocker

Deutschlands lässigster Popstar

Hameln/Hamburg (fh). Alles begann mit den (Absoluten) Beginnern. Ende des letzten Jahrtausends wurde das Hip-Hop-Projekt aus Hamburg als Retter des deutschen Sprechgesangs bejubelt. Jan Phillip Eißfeldt – so der bürgerliche Name von Jan Delay – hieß damals noch schlicht „Eißfeldt“ oder auch mal „Eizi Eiz“. Die Geburt des „Jan Delay“ folgte 2001 – mit der ersten stilistischen Radikalwende: zum Reggae. Auf „Searching for the Jan Soul Rebels“ fand sich dann etwa ein Stück über Gott, gesungen mit Xavier Naidoo, und ein (dämliches) über die RAF sowie die klare Anweisung: „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt!“ Kurz zuvor hatte seine genäselte Version von Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ auch diejenigen erreicht, mit denen der Hamburger offenbar nichts zu tun haben wollte, die „mit dem Sonnenbankfunk und dem Talkshowsoul“, wie er nölt. Also musste Abgrenzung her. „Funk“ und „Soul“ jedoch blieben: ohne Sonnenbank, ohne Talkshow. Auf Hip-Hop und Reggae folgte Tanzbares. „Disko No. 1“ taufte Jan seine Band – mit deutschem „k“ und englischem „Number“. Und am Deutschsein arbeitete sich der Bandleader dann auch geradezu programmatisch ab im Song „Kartoffeln“: Denn Kartoffeln, mit Stärke, aber ohne Geschmack, das sind wir, die Deutschen, sagt er. Der „Groove ist Marsch“, Humor, Stil und Geschmack eine Katastrophe. Deutsches Hadern mit dem typisch Deutschen – typisch deutsch wie kaum etwas anderes. Aber ein Ausweg ist in Sicht: „Gib mir gutes Radio, gutes Fernsehn, gute Mode, gutes Essen, gute Clubs und ein paar fähige Idole, gib mir das alles, Digga, und wir können wetten, in zwanzig Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhattan!“ Am Donnerstagabend tauscht Jan Delay Disko gegen Rockerkneipe - oder besser: gegen die Hamelner Sumpfblume. Und nun? Gitarrenriffs statt Funk-Licks? Grölrefrains statt Schalala-Girls? Pampige Kartoffelmucke also? Die ersten Vorab-Stücke aus dem neuen Album „Hammer & Michel“ beruhigen zumindest halbwegs. Es ist immer noch der freche Jan, der hier rockt. „Alle, die feiern wollen, sagen hey, und alle, die rocken wollen, die sagen hoo“, sang er schon vor Jahren. Morgen Abend ruft die (längst ausverkaufte) Sumpfblume garantiert „Hey“ wie „Hoo“. Und für einen Moment macht das dann Hameln zu Manhattan – oder zumindest zu Bielefeld.

veröffentlicht am 01.04.2014 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

Jan Delay Hammer Michel Rock Hameln Sumpfblume Konzert


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