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Schleswig-Holstein Musikfestival startet mit Maurice Ravel und Avi Avital

Deutschlands größtes Klassik Festival

LÜBECK. 193 Konzerte bietet das Schleswig-Holstein Musik Festival diesmal, zum ersten Mal auch in der Hamburger Elbphilharmonie.

veröffentlicht am 28.06.2017 um 16:12 Uhr
aktualisiert am 28.06.2017 um 17:40 Uhr

Bekanntestes Werk von Maurice Ravel ist das ursprünglich als Ballettmusik konzipierte Orchesterstück „Boléro“. Foto: : dpa

Autor:

Eva-Maria Mester

Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) erobert in diesem Jahr sogar die Hamburger Elbphilharmonie als neuen Spielort. „Die neun Konzerte dort waren sofort ausverkauft, die Menschen sind sehr neugierig auf das Haus“, sagt Festivalintendant Christian Kuhnt. Eröffnet wird Deutschlands größtes Klassik-Festival an diesem Samstag (1. Juli) aber in dem mit Millionenaufwand sanierten Konzertsaal der Lübecker Musik und Kongresshalle. Das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Thomas Hengelbrock spielt Werke von Maurice Ravel und César Franck.

Die Komponisten-Retrospektive des Festivals ist in diesem Jahr Ravel mit 60 Konzerten gewidmet. „Ravel wird völlig zu Unrecht immer nur mit dem „Boléro“ in Verbindung gebracht“, begründet Kuhnt diese Wahl. In dem Werk des Franzosen mit baskisch-schweizerischen Wurzeln gebe es unendlich viel zu entdecken. „Ravel hat zum Beispiel früh die Bedeutung des Jazz für die Musik des 20. Jahrhunderts erkannt. Das ist in vielen seiner Kompositionen zu hören“, sagt Kuhnt. Am 3. Juli wird das Orchestre National des Pays de la Loire einen Konzertabend in der Elbphilharmonie mit Ravels „Boléro“ krönen.

Das Solistenporträt des SHMF gestaltet der preisgekrönte israelische Mandolinenvirtuose Avi Avital. „Er hat ein Programm mit 20 Konzerten zusammengestellt, das die ganze Vielseitigkeit des Instruments zeigt- vom Jazz bis zur zeitgenössischen Musik“, versichert Kuhnt. Einer der Höhepunkte: die Uraufführung von zwei Stücken für Streichquartett und Mandoline (7. Juli in Kiel, 8. Juli in Lübeck). Geschrieben hat sie der Düsseldorfer Klangtüftler Hauschka, der in seine Kompositionen auch Alltagsgegenständen wie Butterbrotpapier oder Tischtennisbälle einbezieht. In der Elbphilharmonie gibt Avital mit dem Klarinettisten Giora Feidman als „Special Guest“ ein Konzert.

Das SHMF wächst und wächst. 193 Konzerte gibt es, noch einmal zwölf mehr als im Vorjahr. Das sei ein ganz natürlicher Vorgang, so Kuhnt. „Unser Konzept ist es, das ganze Land zu bespielen und wir entdecken immer wieder neue Orte, die es sich zu bespielen lohnt.“ Noch mehr Konzerte seien allerdings organisatorisch kaum zu bewerkstelligen

Insgesamt gibt es bis 27. August Festivalkonzerte an 109 Spielstätten. Seit Kuhnt 2013 die Leitung des SHMF übernommen hat, reiht sich ein Besucherrekord an den nächsten. „Ein Geheimnis unseres Erfolgs ist, dass wir die Neugier der Besucher auf das Programm und auf die Spielorte stets aufs neue wecken“, sagte er. „Der Vorverkauf läuft sehr gut, wir hoffen, dass wir auch in diesem Jahr wieder 150 000 Besucher erreichen“, sagt Kuhnt.

Breiten Raum nimmt auch wieder die Nicht-Klassik ein. Der Schauspieler Axel Prahl mit seinem Inselorchester, der frühere Supertramp-Sänger Rodger Hodgson, Esther Ofarim oder Anna Depenbusch sind zum Beispiel beim Festival zu erleben. „Mit solchen Konzerten erreichen wir ein anderes, neues Publikum“, betont Kuhnt.

Für die internationale Orchesterakademie, 1987 von Leonard Bernstein gegründet, wurden diesmal aus 1400 Bewerbern 120 junge Musiker aus aller Welt ausgewählt. Beim Finale am 27. August in Kiel wird ein Chor vor Tausenden Besuchern an der Aufführung von Carl Orffs gewaltigem Chorwerk „Carmina Burana“ mitwirken.

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