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Felicitas Hoppe in der Pfortmühle

„Deutschlands faszinierendste Fabuliererin“

Hameln. Hoppe – auch das: das unbestreitbare Glück ein Kind des Rattenfängers aus Hameln zu sein. Mehr noch: Dichterin, die sich ihre eigene Biografie erfindet. Traumbiografie, in der Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen. Eine hinreißende Symbiose eingehen. Und doch, wie Felicitas Hoppe bei ihrer „Hoppe“-Lesung am Sonntagvormittag in der Pfortmühle bekennt: „ein absolut ehrliches Buch“. Vielleicht gerade deshalb, weil nichts real ist – eben surreal. Wunsch und was man sich als Kind erträumt. Eine eigene Welt, die in der Fantasie wahr wurde. Real.

veröffentlicht am 03.02.2013 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 04:21 Uhr

Autor:

Richard Peter
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So streng – fast ein bisschen abweisend – sie auf Fotos wirkt, so warmherzig ihr Auftritt auf Einladung der Bibliotheksgesellschaft, so lebendig, gestenreich – geradezu heimelig. Und Hoppe so fiktiv wie wirklich: Es hat allemal mit unserer Stadt zu tun. Und sei es nur die Aufgeregtheit, in der Heimatstadt zu lesen, wie sie bekennt. Nach ihrer Spurensuche „Johanna“, der Jungfrau von Orleans, der Versuch „über mich selbst.“

Und das ist, wie Hoppe bekennt, sehr schwer. Auch das ein Grund, in der 3. Person zu erzählen. Distanz zu sich selbst zu gewinnen. Sich neu zu erfinden – für Hoppe ein Zeichen von Vitalität.

Die kanadischen Jahre ist die erste Station für den 2. Esser von rechts am Familientisch. Ein Einzelkind mit Erfindervater, das sich Familie erfindet mit vier Geschwistern. Die Realität als Fiktion und der Wunsch als Realität, denn die Geschwister gibt es. Schon als Kind bereist sie die Weltmeere – und immer der Rucksack als Erkennungszeichen. Über 5000 Auftritte nicht ohne ihn. „Nimm nie in die Hand , was du nicht selbst erfunden hast“ heißt es für die Sechsjährige, die sich in Kanadas Kultfigur Wayne Gretzky verliebt und Eishockey und unter ihren Sonntagserfindungen auch einen leuchtenden Puck vermerkt und von den „eiskalten Ritterspielen“ fasziniert ist.

In der Familie des angehimmelten Wayne kommt es zu einer Neuschaffung der Rattenfängersage. Denn hinter dem Koppen in dem sie verschwinden, die Hämelschen Kinder, wartet überraschend Kanada. So ist der Rattenfänger für Hoppes Geschichte so etwas wie der basso continuo – und zum Klang der Glocken am Hochzeitshaus würde sie sogar Wayne heiraten, obwohl der nichts von Musik versteht, wie sie schreibt. Und später findet sie – so sehr sie ratlos vor dem Hochzeitshaus steht – die Namen von sich und ihren Geschwistern an den Glocken „als angemessen“. Und die Wirklichkeit als das eigentlich Schöne – und das ganze Buch, auch wenn es mit einem blinden Stadtführer in Adelaide und auf den Weltmeeren spielt – eine einzige Hommage an Hameln. Und das von der Preisträgerin des Rattenfängerliteraturpreises – der sie besonders stolz macht – und der höchsten literarischen Auszeichnung, die Deutschland zu vergeben hat: dem Büchner-Preis. Und Hameln als ewige Inspiration für Felicitas Hoppe. Und betont: Ich spreche über mich – nicht über die Familie und die so realen und fiktiven vier Geschwister – und: „Felicitas bleibt Felicitas“.



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