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Wiener Operettentheater zeigt die Strauß-Operette in Hameln altmodisch und ein bisschen lieblos

Der „Zigeunerbaron“ und die Langeweile

Hameln. Während die „Zehn kleinen Negerlein“ längst ihren Namen lassen mussten, durfte „Der Zigeunerbaron“ seinen angestammten Titel behalten. Nix da mit Sinti und Roma und auch die Szene, in der die Banater Zigeuner klischeehaft alles klauen, was so zu klauen ist – ganz ohne Political Correctness und ungekürzt. Gut so, denn der „Zigeunerbaron“ ist nichts als eine einzige Huldigung für sie, die bis auf ihre so hinreißend geigenden Primas nicht allzu viel Sympathie besaßen. Dem ebenfalls fahrenden – und spielenden – Volk ging es nicht anders: „Hängt die Wäsche weg, die Schauspieler kommen.“

veröffentlicht am 04.02.2013 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Jetzt kamen die Wiener mit der Operettenbühne und einer – viele werden sagen: wunderbar altmodischen Inszenierung des „Zigeunerbarons“, den Johann Strauß als Sechzigjähriger schrieb und mit dem er endlich den Sprung auf die Opernbühne schaffen wollte, auch wenn er wieder zu kurz sprang. Heute gehört er längst zu den lorbeerbekränzten Häuptern und wird auch in einer Staatsoper – nicht nur der Wiener – musiziert. Zu Recht, denn schon die Ouvertüre – wenn auch jahreszeitlich bedingt heftig durchhustet, kann sich mit den Wunderwerken eines Rossini messen und muss nicht so gebremst und mollig klingen wie am Sonntagabend aus unserem Orchestergraben unter Dorian Molhov.

Einheitsbühnenbild und das ein bisschen lieblos illustrierend und auf Zigeunerdorf und Wiener Kärntnertor verzichtet. Pappmaché à la 50er Jahre – und keine wirkliche Lösung, aber vermutlich praktisch und kostensparend für ein Tournee-Ensemble. Was aber auch die Regie von Professor Heinz Hellberg empfindlich einschränkt. Folkloristische Bilder-Arrangements, vornehmlich an der Rampe aufgereiht – kaum Bewegung. Ein bisserl langweilig halt – aber zugegeben: wenigstens nicht störend, wie so viele moderne, modernistische Versuche.

Die Besetzung – durchwegs akzeptabel bis gut – auch wenn Giorgio Valenta stimmlich nicht ganz so strahlt, wie er können müsste, wenn es um „das alles und mehr“ geht und ihn der Dompfaff mit Saffi traut. Judit Bellai bringt für die Rolle a) das Kolorit und b) die Stimme mit – wie auch Elena Suvorova als alte Zigeunerin Czipra und nahe Verwandte von Verdis Azucena aus dem Troubadour überzeugt. Auch Victor Schilowsky als Zsupan – schon mal saftiger besetzt – überzeugt dennoch mit „Lebenszweck“, der sich so perfekt auf „Schweinespeck“ reimt.

Eine solide, brave und ausverkaufte Vorstellung, die viel Applaus erhielt. Was nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie eben nur brav, solide und ausverkauft war.



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