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Wie sich Rihanna in Hannover präsentiert

Der verspätete Festumzug

Hannover. Rihanna und Chris Brown getrennt!“ – „Sexsuchttherapie und Fandresche – Rihanna außer Rand und Band!“ – „Rihanna präsentiert Drogenfotos!“ Popstar zu sein, hat mit Musik gar nicht so viel zu tun. Rihanna zu sein, hat vor allem damit zu tun, ständig vorzukommen. In den Promi-News, auf den Smartphones, im Internet.

veröffentlicht am 04.07.2013 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Uwe Janssen
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Rihanna live zu erleben, ist eine gute Abwechslung zu ihrer übermächtigen virtuellen Präsenz. 2011 war sie schon in Hannover, auch in der TUI Arena. Damals war alles ruckzuck ausverkauft. Diesmal gibt es noch ein paar Karten an der Kasse – damit hätten die Schwarzmarkthändler nicht gerechnet.

Vielleicht sind zwei Auftritte in zwei Jahren doch zu viel. Vielleicht ist es so, weil Ferien sind (wie man andererseits an den Dutzenden sieht, die seit 13 Uhr schon vor der Halle warten). Vielleicht ist 70 Euro für die billigste Karte zu teuer. Aber vielleicht ist es auch so, weil das Phänomen Rihanna nicht für den Live-Betrieb vorgesehen ist, sondern als Konserve viel besser funktioniert.

Facebook und Twitter werden auch während des Liveauftritts in Hannover kräftig gefüttert. Das Konzert wird sozusagen live auf Facebook übertragen. Alle Displays leuchten, Mobilgeräte im Dauereinsatz.

Als Rihanna mit einer satten halben Stunde Verspätung gegen 21.30 Uhr die Bühne und 10 000 Displays betritt, wird es laut. Und dann wieder leise. Nach dem Auftaktkreischen kauert sie einsam in einen Umhang gehüllt auf der Bühne und singt „Mother Mary“. Jedenfalls einen kurzen Auszug. Dann kommt das, was den ganzen Abend kommen wird und wichtiger Bestandteil einer jeden Rihanna-Show ist: Umziehen. Nicht nur sie, auch die Bühne. Das ganze Konstrukt inklusive Treppen fährt hoch, eine Band erscheint, und da ist ja auch Rihanna wieder. Ihre Beine stecken in langen Stiefeln, der Mantel fliegt schnell in die Ecke, darunter ist etwas Durchsichtiges, darunter sparsame schwarze Stücke Stoff. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.

Und schon ist man mittendrin. Musikalisch scheppert es richtig. „Phresh out the Runway“ ist Stampf-R’n’B, die Masse im unbestuhlten Innenraum, sofern nicht mit Kamera-Arbeit befasst, fängt an sich zu bewegen. „Hannooooover“ gellt es spitz durch den Saal, „I can’t hear you!“ Was natürlich gelogen ist, aber seine Wirkung nicht verfehlt.

Ansagen gibt es eigentlich nicht, ein bisschen Animation, ansonsten gehen die Stücke nahtlos ineinander über. Professionell, amerikanisch, etwas seelenlos. Rihanna bewegt sich elegant bis frivol. Neben dem Jacko-Gedächtnisgriff hat sie Hüftrotation und Hintern- wackeln im Programm. Insgesamt ist sie nicht ganz so ins Choreografiekorsett gezwängt wie vor zwei Jahren. Die Bühnenshow hat abgespeckt, es gibt mehr Rihanna pur, das macht es ganz sympathisch. Und natürlich alle Hits: „Umbrella“, „We found love“, „Rude boy“.

Aber was Nuno Bettencourt – Rockfans als ziemlich begnadeter Gitarrist von Extreme ein Begriff – auf der Bühne soll, bleibt in weiten Teilen schleierhaft. Vieles wummert nur, getragen von satten Bassbeats und fetten Keyboardwänden, und aus welchen elektronischen Quellen es kommt, ist eigentlich auch egal.

Rihanna lässt immer wieder das Mikrofon sinken und singt trotzdem weiter, weil ihre Backgroundsängerin entweder exakt ihre Stimme imitiert oder auch hier Teile eingespielt werden. Aber: Wen interessiert’s? Hier geht es um das Gesamtpaket für Augen, Ohren und Facebook.

Und noch ein neues Outfit – am Mittwochabend in der TUI Arena zählt das Gesamtpaket Rihanna.Wilde



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