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Chris Rea mit Blues und Pophits in Hannover

Der Teufel und der Mann mit der Gitarre

Hannover. „But the devil, he may get me somewhere between Highway 61 and 49“, singt Chris Rea unheilvoll, mit rauer Stimme. Es ist Robert Johnsons altes „Ich und der Teufel“-Motiv, dessen sich Rea bedient. Als Metapher für die lebensbedrohliche Krebsdiagnose vor einigen Jahren? Rea schließt einen Pakt wie Faust, entsagt der Popwelt und lässt sich geleiten ins Reich des Blues. Katharsis und Selbstfindung. 2005 veröffentlicht er elf Blues-CDs auf einen Schlag, alle Platten seit „Stony Road“ zeigen Spielarten des Blues. Was auf den Tonträgern auf Dauer ermüdend ist, belebt seine Konzerte ungemein: in „Easy Rider“ als schleppender Slow-Blues, in „Come So Far, Yet Still So Far To Go“ als furioser ZZ-Top-Boogie und in „’Til The Morning“ mit melancholischem Slide-Intro.

veröffentlicht am 04.03.2012 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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So wenig Rea am Freitag auch mit dem Publikum kommuniziert, einen auf die Bühne geworfenen Blumenstrauß nicht beachtet, nur drei seiner fünf formidablen Bandmitglieder vorstellt, so großzügig bedient er die Radiohit-Fans, die sich an Josephine, Julia und den Stainsby Girls erfreuen. Vermeintlich abgenudelte Lieder erhalten ein neues Gewand. „On The Beach“ beginnt als entspannte Lounge-Musik und geht in Reggae über, „Julia“ bekommt eine jazzrockige Coda. Immer wieder neue Gitarren, denen Rea vom bedrohlichen Grollen bis schrillen Pfeifen mannigfaltige Töne entlockt. Da stoppt auch eine gerissene Saite das Slidespielen nicht. Gitarren überall: riesige blaue, die vor der Projektionsfläche hängen, kleinere am Scheinwerfergerüst. Viel selbst Entworfenes, denn Rea hat sich auch der Malerei zugewandt. Kunst- und Musiktherapie in einem. Ein 61-Jähriger, so agil wie selten, mit Kreiseltanz und Wasserwerferposen. „Du bist nie zu alt zum Tanzen“, singt er in „Let’s Dance“ und die 3000 in der bestuhlt ausverkauften AWD-Hall lassen sich nicht lange bitten. Und weil Rea ein guter Mensch ist, wird auch der Teufel, der an der „Road To Hell“ steht, keine Chance haben. Die göttliche Gnade, die Faust zuteilwird, sollte Rea allemal genießen: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ Bis dahin gilt: „Come So Far, Yet Still So Far To Go“.

Agil in Hannovers ausverkaufter AWD-Hall: Chris Rea. Foto: jed



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