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Musikalische Leckerbissen im ausverkauften Capitol: The Black Keys und Charles Bradley

Der Soul-Mann und die Blues-Brüder

Hannover. Großes Kino im ehemaligen Lichtspielhaus Capitol. Nicht nur die Blues-Brüder im Geiste, Dan Auerbach und Patrick Carney, besser bekannt als The Black Keys, sondern vor allem der Support Charles Bradley servieren musikalische Leckerbissen im Doppelpack. Der 63-jährige Bradley wirkt wie eine Inkarnation von James Brown, als dessen Imitator er viele Jahre durch die USA tingelte, bis er vom Daptone-Label entdeckt wurde. Tatsächlich glaubt man sich zurückversetzt in die frühen Sechziger Jahre, als ein Otis Redding die Bühnenbretter beben ließ. Oder eben ein James Brown, dessen theatralische Gebärden Bradley nutzt: hin- und herschwingende Mikrofonständer, Hand aufs Herz, ein Sich-auf-die-Knie-Werfen – das volle Programm. Auch stimmlich erinnert Bradley an Brown, live mehr Funk als Soul, unterstützt durch die Extraordinaires, inklusive einer kleinen Bläser-Sektion.

veröffentlicht am 15.08.2012 um 17:15 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Mag die Wahl der Vorgruppe zunächst überraschen, passt sie doch zu dem Interesse der Black Keys für Motown-Soul, den sie in ihr Durchbruchsalbum „Brothers“ haben einfließen lassen. Wenn Auerbach in „Everlasting Light“ zum Falsett ansetzt, wird die Soul-Affinität offenkundig. Sonst aber füllen Auerbach und Carney vor allem die Lücke, die mit dem Ableben der White Stripes entstanden ist. Mitunter beschränken sie sich auf Carneys polterndes Schlagzeug und Auerbachs famoses Gitarrenspiel sowie seinen oft verzerrten Gesang. Vieles klingt nach den Anfangstagen der Band: Zwei Freunde entdecken angestaubte Bluesplatten im Elternhaus, kaufen sich billiges Equipment und beginnen im Keller zu üben. Das hört sich dann an, als versuche ein Duo auf Led Zeppelin zu machen, die einst den Blues in den Hardrock überführten, bei den Black Keys freilich mit Low-Fi-Attitüde.

Aber die Black Keys haben ihr Konzept inzwischen erweitert. „Little Black Submarines“ beginnt mit einem folkigen Intro, das Grammy prämierte „Tighten Up“ mit einer gepfiffenen Melodie und die aktuelle Single „Lonely Boy“ nutzt ein T.-Rex-Riff. Ohnehin gehen die Songs vom neuen Album „El Camino“ eher in Richtung tanzbarer Rock’n’Roll und erweitern ein irgendwann zu statisch wirkendes Konzept, mit dem auch die White Stripes langweilig wurden. Die Black Keys bieten eineinhalb kurzweilige Stunden mit dezenter Lightshow, ohne viele Worte an die 1600 Gäste im ausverkauften Capitol. Dass es für die AWD-Hall nicht reichte, stimmt allerdings bedenklich, denn gerade Bands, die den Sprung aus der Indie-Nische geschafft haben, sind musikalisch oft relevanter und spannender als die Mega-Acts oder abgehalfterte Oldie-Bands.

Einer der Zwei-Mann-Band: Dan Auerbach singt und spielt bei den Black Keys am Dienstagabend im ausverkauften Capitol. Foto: jed

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