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Der Philosoph im Feinripphemd

Von Julia Marre

Hameln. Er ist weder Friedrich Ebert noch Meister Eder. Heißt nicht Manuel und nicht Matthias. Und schon gar nicht Fips Asmussen. Michael Ehnert ist es, der am Donnerstagabend zum inzwischen zweiten Mal mit seinem inzwischen dritten Programm in der Sumpfblume gastiert. Der Auftritt ist wie beim ersten Mal einfach gut. Richtig gut.

veröffentlicht am 08.10.2010 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

Kultur
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Von Julia Marre

Hameln. Er ist weder Friedrich Ebert noch Meister Eder. Heißt nicht Manuel und nicht Matthias. Und schon gar nicht Fips Asmussen. Michael Ehnert ist es, der am Donnerstagabend zum inzwischen zweiten Mal mit seinem inzwischen dritten Programm in der Sumpfblume gastiert. Der Auftritt ist wie beim ersten Mal einfach gut. Richtig gut. Denn sein Programm ist kein spaßiger Schonwaschgang, den wir von zu vielen Komödianten gewohnt sind. Es ist kein aggressiv-bösartiger Schleudergang, den viele Austeiler bevorzugen. Es ist Feinwäsche: beinhaltet anspruchsvolle Stoffe, dreht sich immer um die eine runde Sache, rein und sauber.
 Nun arbeitet Michael Ehnert in keiner Wäscherei, sondern in der Unterhaltungsbranche. Dort ist er eher kabarettistischer Schauspieler als schauspielernder Kabarettist. Vielleicht aber auch beides. Denn sein Programm „Deutschland primat – das Tier in mir“ erinnert an ein Solo-Erzähltheater mit Showelementen. Spontan ist das nicht. Aber genau das macht es auch aus. Wer sich auf den außergewöhnlichen Genre-Mix einlässt, der nickt dem Philosophen im Feinripphemd genauso ernst zu wie er mit dem Vanilleeis-Nostalgiker seufzt, dem szenischen Nacherzähler aufmerksam folgt und mit dem übermütigen Pantomimen und ausgelassenen Stimmenimitator lacht.
 Das Schöne an Ehnerts vergnügt-vernünftiger One-Man-Show: Es gibt einen Anfang und ein Ende – einen roten Faden, mit dem das Lach- und Sachpaket fest zusammengeschnürt ist. Das ist der Flugzeugabsturz im neuen Superflieger A 911. Deutschlands Elite befindet sich an Bord. Während der Jet sinkt, geht Passagier Ehnert auf Schnitzeljagd. Er spielt sich selbst und doch wieder nicht. Plaudert als Kabarettist von sperrhölzernen Gasthof-Bühnen und verlassenen „Bad-Somewhere“-Kurorten. Geht auf Tournee, nur um während dieser Tour „Nee“ zu sagen. Drumherum geht es um Benedict XVI. und Brot. Um Affen und Ackermann. Um Metzgerprodukte und Memento Mori. Um Kitkat und Konsortien. Um Terroristen und Tierzucht. Meist sachlich, oft amüsant, fast immer tiefgründig. Durchweg hoch ist das Tempo der intelligenten Inszenierung. Und die ist gespickt mit gut konstruierten Gehört-das-jetzt-auch-zur-Show?-Momenten, die alles hinterfragen.
 Das war Michael Ehnert. Seinen Namen wird sich merken, wer ihn 110 Minuten lang auf der Bühne erlebt hat. Und bald gibt es wieder die Gelegenheit dazu: Am 22. November spielt Ehnert in der Theaterfassung des Filmes „Frost/Nixon“ die Rolle des britischen Journalisten – zu sehen im Theater Hameln.



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