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Der Liebesfilm, in dem jegliche Romantik fehlt

Von Michael Ranze

Nach einem Autounfall springt Steven Russell (Jim Carrey), so erzählt er dem Zuschauer frohgemut vom Krankenbett aus, dem Tod von der Schippe. Er wird – obwohl liebender Familienvater, hart arbeitender Polizist und fleißiger Kirchgänger – schwul und arbeitet fortan in Berufen, für die er nicht ausgebildet ist. Denn: So ein hedonistisches Lotterleben mit Cabriolet, Partys und endlos vielen Liebhabern ist ganz schön teuer. Darum besorgt sich Steven als Versicherungsbetrüger, Kreditkartenfälscher und vor allem als Hochstapler das nötige Kleingeld.

veröffentlicht am 29.04.2010 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

Phillipmorris
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Das geht einige Zeit gut, doch dann landet Steven im Knast. Hier lernt er den sensiblen und zurückhaltenden, fast schüchternen Phillip Morris (Ewan McGregor) kennen. Es funkt gewaltig – doch irgendwie mag Steven nicht vom Hochstapeln lassen. Im Gefängnis gefällt es ihm schon lange nicht mehr, und so bricht er einfach aus – nicht nur einmal, sondern zwei Mal, drei Mal, vier Mal…
 Man soll es nicht für möglich halten: Die Geschichte ist wahr. Den Gauner Steven Jay Russell gibt es wirklich, Steven McVicker hat über ihn ein Buch geschrieben, aus dem die Drehbuchautoren und Regisseure John Requa und Glenn Ficarra dieses Biopic zauberten. Doch wo Hochstapler-Dramen wie Steven Spielbergs „Catch Me If You Can“ oder erst kürzlich Alexander Adolphs „So glücklich war ich noch nie“ ernsthaft und authentisch den Masken und Verführungsstrategien ihrer Protagonisten nachspürten, mochten sich Requa/Ficarra nicht für einen einheitlichen Ton entscheiden. Stattdessen pendeln sie zwischen hochtourigem Klamauk und dramatischem Impetus, ohne zu austarierter Tragikomik und Glaubwürdigkeit zu finden. Dazu gehört die Entscheidung, Jim Carrey von der Leine zu lassen. Mit Verve, Energie und mimischer Akrobatik stürzt er sich in die Rolle des Hochstaplers – und ist vielleicht deswegen, je nach Standpunkt des Betrachters, der Falsche. Immerhin: Ewan McGregor fängt durch sein sparsames, fast schon demütiges Spiel viel von der Überdrehtheit des Films wieder auf. Doch das Fehlen jeglicher Romantik in dieser schwulen Liebesgeschichte, die der Filmtitel so deutlich betont, kann auch er nicht wettmachen.

- „I Love You Phillip Morris“ läuft täglich um 20.15 Uhr im Maxx-Kino Hameln, morgen auch um 22.30 Uhr. Lesen Sie in unserer Freitagsausgabe außerdem das Interview mit Jim Carrey.

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