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Der Kunstverein Hannover zeigt das Werk David Schnells

Von Klaus Zimmer

Hannover. Sie sind der Stoff, aus dem sich Wirklichkeit bildet und in den sie zerfällt: Landschaften des Malers David Schnell, das heißt Gegensätze von Wildwuchs und rationalen, zivilisatorischen Eingriffen, die aufeinanderprallen – eine Reibung am „Original“. Und so gleichen diese energiegeladenen Leinwände mit ihren Verschränkungen aus Natur und Architektur einem kontrollierten Chaos.

veröffentlicht am 26.04.2010 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

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Von Klaus Zimmer

Hannover. Sie sind der Stoff, aus dem sich Wirklichkeit bildet und in den sie zerfällt: Landschaften des Malers David Schnell, das heißt Gegensätze von Wildwuchs und rationalen, zivilisatorischen Eingriffen, die aufeinanderprallen – eine Reibung am „Original“. Und so gleichen diese energiegeladenen Leinwände mit ihren Verschränkungen aus Natur und Architektur einem kontrollierten Chaos. Außerdem hat der Künstler ein besonderes Auge für die öffentlichen Orte: „Weil sie so langweilig sind, dass ich sie einem Hurrikan aussetzen möchte.“
 In der Ausstellung „Stunde“ zeigt der Kunstverein Hannover mit über 30 groß- und mittelformatigen Gemälden sowie einer Serie Linolschnitte die bislang umfangreichste Werkschau des 1971 in Bergisch Gladbach geborenen Künstlers, der sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig als Meisterschüler bei Professor Arno Rink abschließen konnte.
 Auf den Bildern der jüngsten Zeit fallen die aquarellartig transparenten Farben, die zarten Pastelltöne und ein faszinierendes Flirren und Flimmern auf. Man wähnt sich in die Malerei des Rokoko und Impressionismus zurückversetzt. David Schnells historischer Bezug ist, in einer Zeit der minimalistischen konzeptionellen Ansätze und der Pop Art, zumindest ungewöhnlich.
 Bei seinen Wanderungen in die Umgebung Leipzigs, mit dem Blick auf die landschaftlichen Einschnitte des Tagebaus oder Erkundungen in den Schlossparks entstanden prägende Eindrücke, ohne die David Schnells „unreale“ Landschaften nicht denkbar scheinen: eine Verschmelzung mit der Natur, die nur um den Preis künstlicher Inszenierung erreicht werden konnte.
 Wen wundert’s, dass den Künstler vor allem die Malerei von Jean-Honoré Fragonard (1732 bis 1806, Schüler von François Boucher) und dessen traumverlorene Landschaften faszinieren. Wenn auch in den Bildern David Schnells die Figuren und der barocke Überschwang fehlen, alles sich ungleich kühler und abstrakter darbietet, so zeigen doch viele Werke vergleichbare Motive. Und es geschieht auch wie von selbst, dass man ganz in Gedanken spazieren gehen möchte auf diesen Bildern des sich Verlierens oder sogar des Verschwindens aus der Wirklichkeit.

- Zu sehen bis 30. Mai, dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 19 Uhr.

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