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Mit seiner Solotour begann der Australier Carus Thompson in der Sumpfblume

Der globale Wandermusikant

Von Martin Jedicke

veröffentlicht am 06.02.2009 um 12:04 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 12:21 Uhr

Feiert seine neue Soloplatte: Carus Thompson. Foto: jed
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Hameln. Australier sind lernfähig, auch Carus Thompson. Als der Mittzwanziger aus dem 45 Grad heißen „down under“ 2003 nach Deutschland flog, betrat er in Flipflops den winterlichen Boden, wie sein Freund und Tourorganisator Andreas Pusch aus Coppenbrügge berichtet. Dabei benötigt Thompson sechs Jahre später auf der Bühne die angelegten Stiefel überhaupt nicht, bietet er doch vollen Körpereinsatz, dreht sich um die eigene Achse, macht breite Ausfallschritte und führt einen känguruartigen Wechselschritthüpfer vor. Zudem lässt er sich einen Ausflug in den Saal nicht nehmen, spielt inmitten seiner in den Refrain des Traditionals „Wide Open Road“ einstimmenden Fans unplugged.

Die hat er in den vergangenen Jahren durch Konzerte in der Umgebung gewonnen, sei es mit seiner Band, den True Believers, oder solo wie am Donnerstagabend. Dass 250 ältere wie jüngere Semester den Weg in die Sumpfblume gefunden haben, zeigt die generationsübergreifende Wirkung seiner Musik. Sich selbst mit Akustikgitarre, Mandoline oder Mundharmonika begleitend, weist ihn natürlich ins Singer/Songwriter-Lager, aus dem er besonders auf den Platten mit seiner Band durch Ausflüge in Rock, Funk und Reggae ausbricht. Stimmlich an Julian Dawson erinnernd, offenbart Thompson eine ungeheuere Bühnenpräsenz in dem zweistündigen Konzert, dessen Anlass ein besonderer ist: Thompson beginnt nicht nur seine Tour, sondern feiert die Veröffentlichung seines Soloalbums „Creature Of Habit“, das in den Plattenabteilungen erst am Montag, in Australien gar erst im März erhältlich ist.

Berührungsängste

kennt der Musiker nicht

So kommen die Sumpfblumengäste nicht nur in den Genuss der Live-Premiere hübscher Balladen wie „Eye Of The Storm“ und flotter Neulinge wie „Doing Time“, sondern können handsignierte Erstexemplare des Tonträgers erwerben, dem eine Live-CD beiliegt. Wenn Thompson im ersten Konzertabschnitt ein wenig zu oft dieselben Begleitakkorde anschlägt, so bietet die neue Studioplatte eine reichhaltige Vielfalt instrumentaler Begleitung. Live gibt es da keine Ablenkungen, die Komposition muss bewegen. Und das gelingt Thompson mit dem düsteren Titelsong „Creature Of Habit“, mit „Dancing In The Wind“, dem Erinnerungslied an den verstorbenen Großvater, oder mit dem auf einem angedeuteten Reggaerhythmus basierenden „Gonna Leave This Town“ in formidabler Manier.

Ohnehin kennt Thompson keine Berührungsängste, hat keine Mühe, zum Mitsingen und -klatschen zu animieren. Und wenn er den aufgeräumt-flotten Ohrwurm „The Last Days Of Winter“ anspielt und immer noch festes Schuhwerk trägt, muss man sich um das Wohlbefinden des Australiers im winterlichen Deutschland keine Sorgen machen.

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