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„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ist ein düsterer Film, der 2011 erst fortgesetzt wird

Der gestreckte und gereckte Zauberlehrling

Der Auserwählte ist wieder im Kino, zum siebten Mal schon. Noch immer hadert er mit seinem Schicksal. Denn wer sich in seine Nähe begibt, muss sich womöglich opfern, damit Harry Potter weiterleben kann. Das geschieht mehrmals im neuen, düsteren Potter-Film, der mit der Fressattacke einer Riesenschlange beginnt und mit einem Zauberblitz endet und vor allem von der erstarkten Macht des Bösen kündet.

veröffentlicht am 17.11.2010 um 16:22 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

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Autor:

Stefan Stosch
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Eigentlich müssten Harry Potter (Daniel Radcliffe) und seine Freunde Hermine Granger (Emma Watson) und Ron Weasley (Rupert Grint) im siebten Film die Entscheidung im Kampf gegen den bösen Lord Voldemort suchen – so wie es im siebten und letzten Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ von Joanne K. Rowling der Fall ist. Für die Schauspieler ist das Duell gegen Voldemort schon gelaufen. Die Dreharbeiten des „Potter“-Finales sind beendet, die Abschiedstränen nach zehnjähriger Arbeit getrocknet, die Souvenirs verteilt: Daniel Radcliffe hat seine Brille mit nach Hause genommen, Emma Watson ihren Zauberstab.

Dem Publikum wird der Showdown bis zum Juli 2011 vorenthalten. Die Kinoproduzenten haben „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ in zwei Teile aufgesplittet – so ähnlich wie Lord Voldemort seine Seele zerstückelt und versteckt hat, um Unsterblichkeit zu erlangen. Beinahe zweieinhalb Stunden lang jagen Harry und Co. den Horkruxen hinterher, ohne ihrem Ziel näherzukommen.

Regisseur David Yates – erprobt durch zwei frühere „Potter“-Filme – hat immerhin einen Vorteil bei seiner notgedrungenen Hängepartie mit Harry: Er kann sich Zeit lassen. Gerade der gelassene Erzählton ist das Besondere an seinem Film.

Das Böse hat nach dem Tod von Rektor Albus Dumbledore begonnen, die Herrschaft an sich zu reißen. Die drei Freunde sind mehr auf der Flucht vor Voldemort als auf der Jagd nach ihm. Und sie sind ganz auf sich allein gestellt.

Yates macht das Beste aus seiner Freiheit. Waren die Regisseure sonst zumeist Getriebene, die dem Geschehen hinterherhetzten, kann er sich ausgiebig in Details vertiefen. Die Lagebesprechung der Bösen zu Beginn ist ein Genuss: So gefährlich war Voldemort (Ralph Fiennes), der Mann mit der Nasenschlitz-Visage, noch nie.

Sehr hübsch: In einer Art Scherenschnittmärchen wird erzählt, was es mit den titelgebenden Geheimnissen des Todes auf sich hat. Und trotzdem bleibt noch Gelegenheit für humoristische Einsprengsel, sogar für Beziehungsplänkeleien zwischen Hermine und Ron. Letzterer darf von Lichtkugeln schwadronieren, die sein Herz berührt hätten. Potter sitzt grinsend dabei.

Was an eindeutiger künstlerischer Handschrift fehlt, wird aufgewogen durch eindeutige historische Bezüge: Man fühlt sich an Nazi-Propaganda erinnert, wenn hier „Zauberer mit reinem Blut“ die anderen ausgrenzen. Diskriminierung, Terror, Folter: Alles gehört zum Programm. Es werden sogar Totenlisten im Radio verlesen wie in einem richtigen Krieg. Hermine ist die entscheidende Figur innerhalb des Heldentrios – und eindeutig die Kluge zwischen zwei gelegentlichen Stoffeln.

Vielleicht sind die „Potter“- Fans froh über die Streckung des Stoffs. Nun können sie noch ein halbes Jahr länger mit Harry Potter leben. Im nächsten Sommer ist mit dem achten Film Schluss – sofern sich Autorin Rowling nicht doch zu einer Zugabe hinreißen lässt.

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ist im Maxx-Kino Hameln zu sehen: täglich um 14 Uhr und 14.30, 16.30 und 17 Uhr, 19.45 und 20 Uhr sowie am Freitag und Samstag um 22.30 und 23 Uhr in digitaler und analoger Version.

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