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„Der Skulptur auf der Spur“: Die Werke des Professors Kurt Schwerdtfeger im Bürgergarten

„Der Erwachende“ ist für immer entschlafen

Hameln. Sie stehen im Bürgergarten, an der Weser, in der Fußgängerzone: Skulpturen gibt es in Hameln nahezu überall. Woher kommen sie? Weshalb zieren sie den jeweiligen Standort? Und wie lange schon? Julia Marre hat sich umgesehen. Die Ergebnisse dieser Spurensuche stellen wir in loser Folge vor.

veröffentlicht am 22.10.2010 um 12:27 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:41 Uhr

„Der Erwachende“ (kleines Foto) ist schon seit Jahre
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Ursprünglich möchte Professor Kurt Schwerdtfeger nur eine seiner Arbeiten im Bürgergarten ausstellen. Zur Gartenschau 1962 entschließt sich der an der Pädagogischen Hochschule Alfeld als Professor tätige Schwerdtfeger dann aber doch dazu, fünf seiner Werke zur Verfügung zu zeigen. „Ich bin überzeugt, dass wir dafür einen würdigen Platz finden“, schreibt ihm der damalige Stadtbaurat Schrader. Am Samstag, 17. Februar 1962, treffen sich mehrere Künstler um 10.30 Uhr mit dem Stadtbaurat zu einer Ortsbesichtigung im Bürgergarten. Ausstellungsflächen für die Skulpturen werden festgelegt. Zunächst nur im Sommer 1962 plant Schwerdtfeger, folgende Werke zu zeigen: die drei Bronzeplastiken „Raupe“, „Schnecke“ und „Spinne“, die Steinplastiken „Der Erwachende“ und „Widder“. Später sollen die Bronzeplastiken abgebaut werden und Schwerdtfegers „Hütejunge“ (wir berichteten), seine „Sonnenuhr“ und das „Vogelnest“ hinzukommen.

Im Jahr 1962 ist Schwerdtfeger in Hameln kein Unbekannter mehr. 1960 hatte er seine Werke im nahegelegenen Kunstkreis ausgestellt. Auch der Kunstverein Hannover widmet ihm eine Schau. Der 1897 geborene Schwerdtfeger war Student am Bauhaus in Weimar. 1937 als „entarteter Künstler“ aus seinem Stettiner Lehramt vertrieben, verliert er durch den Krieg alle seine früheren Arbeiten. 1946 wagt er den Neuanfang in Alfeld.

Seine Steinplastik „Der Erwachende“ wird im Mai 1962 zunächst kritisch beäugt. So schreibt ein Journalist der Hannoverschen Presse, dass sich alle Betrachter in einem einig seien: „Es muss sich um einen Beamten handeln, um einen ruhenden oder erwachenden, einen lauernden oder etwas bewachenden Beamten.“ Einer der Besucher des Bürgerparks soll spekuliert haben, es sei „ein Finanzbeamter, der nachts nicht schlafen kann“. Mitunter wird „Der Erwachende“ daher in den Akten auch als „Der Liegende“ bezeichnet. Im Mai 1963 kauft die Stadt Hameln die Skulptur für 2500 Deutsche Mark an.

Mittlerweile aber liegt der Mann aus Sandstein längst nicht mehr im Bürgergarten. Im Pflanzgarten der Stadt Hameln nahe dem Südbad soll er untergekommen sein. Doch auch hier ist er nicht mehr aufzufinden. Thomas Wahmes, Pressesprecher der Stadt Hameln, spricht von einem „ausgeprägten Fall von Vandalismus“, dem der „Erwachende“ zum Opfer gefallen sein soll. Bereits vor Jahren hätte es erhebliche Beschädigungen der Steinfigur gegeben. Eine Reparatur sei, so Wahmes, nicht mehr möglich gewesen. Der „Erwachende“, er ist entschlafen…

Noch heute im Bürgergarten zu sehen ist Schwerdtfegers „Vogelnest“. Es zählte neben Katze, Ziege, Fledermaus, Kälbchen, Nachtvogel und Wildschwein zu jenen Werken, die 1960 im Kunstkreis zu sehen waren. Die damalige Ausstellung besuchten 1125 Kunstinteressierte. Seit Juli 1964 ist Schwerdtfegers „Sonnenuhr“ im Bürgergarten installiert. Die jedoch „geht nicht nach der Sonne und noch nicht einmal nach dem Mond. Es liegt an der Erde“, stichelte ein Autor der Hannoverschen Presse 1964.

Lesen Sie im Online-Dossier auf www.dewezet.de alle bisher veröffentlichten Texte der Reihe „Der Skulptur auf der Spur“.



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