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Wilhelm Busch im Deutschen Museum für Zeichenkunst

„Der Alte von Wiedensahl“ gilt als Pionier des Comics

Hannover. Wilhelm Busch? Na klar, Max und Moritz, Julchen, Die fromme Helene und so weiter. Nein, so einfach ist das nicht. Heute kann man sagen: „Der Alte von Wiedensahl war ein Allround-Talent. Und das will die große Ausstellung zeigen. Viel, sehr viel Unbekanntes hat man aus den Archiven und Laden befreit – aufgehängt, zur Freude aller Busch-Fans.

veröffentlicht am 05.11.2010 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

Verfügte über eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe: Wilhelm Bu

Autor:

Klaus Zimmer
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Buschs Popularität ist gewiss darauf zurückzuführen, dass er einer der seltenen deutschen Humoristen war und gleichzeitig einen angeborenen Hang zum Grüblertum und Pessimismus in der Weisheit eines befreienden Lachens überwand. Die Hinterlassenschaft des 1832 in Wiedensahl geborenen Wilhelm Busch macht aber auch nachdenklich: Sein umwerfender Humor überrascht, wenn man bedenkt, dass Kurt Schwitters Hannover als „eine Stadt mit steifem Kragen“ beschreibt. Nun kann man Busch getrost als einen Pionier des Comics einstufen. Seine Bildergeschichten – die ersten erschienen 1859 – bezeichnete er als „Schosen“; er maß ihnen (heute unverständlich) jedoch wenig Wert bei.

Und das sind immer wieder seine Themen, für die er mit größtem Vergnügen stets den Bleistift anspitzte: die Selbstzufriedenheit und zweifelhafte Moralauffassung des Spießbürgers und auch die Frömmelei. Heute würde man salopp sagen: Er schaute auch „unter Hempels Sofa“.

Zunächst wird der Ankommende im Entree des Busch-Museums auf das Ausstellungserlebnis eingestimmt mit Informationen, Bildern und Musik von Johannes Brahms, dem Lieblingskomponisten Buschs. Der große Saal bietet Überraschungen pur. Chronologisch gehängt, lässt sich der Weg des vielseitigen Künstlers – auch vor Originalen etwa von Max und Moritz – anschaulich nachvollziehen. Die feinen Bleistiftzeichnungen, manche auf kleinstem Format (von Busch bevorzugt) überraschen mit ihren Architektur- und Menschendarstellungen, spiegeln die außergewöhnliche Beobachtungsgabe des Künstlers.

Buschs lyrische Dichtung, auch seine Prosa, heute ein Lesegenuss, stießen zu seiner Zeit noch auf Unverständnis, weil Busch für die meisten zu einem Synonym für Bildergeschichten geworden war. Bei allen Arbeiten, ausgenommen die Auftragswerke, spürt man die Lust, die Beglückung im Aufspüren außergewöhnlicher Situationen, die Freude am kritischen Hieb. Steht man dann vor Buschs plastischen Arbeiten, etwa dem strampelnden Kind, das er sprödem Gips entlocken konnte, dem noch funktionsfähigen kleinen Druckautomaten und weiteren Überraschungen, dann kann man nur empfehlen: Nichts wie hin!

Die Ausstellung – parallel zu Arbeiten von Lisbeth Zwerger – wird bis 6. Februar im Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover gezeigt.

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