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Buschs „Fromme Helene“ im Theater

„Denn, Gott sei Dank! Ich bin nicht so!“

Hameln. “Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten...“ wie Goethe seinem „Faust“ eine Zueignung“ widmete, schrieb auch Wilhelm Busch seinem „Lenchen“ einen Abschiedsgruß. Nur ihr. Und damit begann am Donnerstagabend im TAB auch das gutbürgerliche Kammer-Musical „Die fromme Helene“ als Happy Hour.

veröffentlicht am 27.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Neben den beiden Lausbuben Max und Moritz ist die Helene vermutlich die bekannteste Geschichte des Comic-Vaters aus Wiedensahl. Und bei aller Komik – und Comic inklusive – eine der bösesten. Auch tragischsten. Und so hat Markus Neumeyer nicht nur die berühmten Texte in Songform gebracht, schreckt rhythmisch vor nichts zurück und hat seine Busch-Adaption um Lieder von Mahler, Schumann, Beethoven und Marek ergänzt.

Kontrastprogramm, das quasi den Humus für Lenchens Schicksal bereitet. Traurige Lieder aus des Knaben Wunderhorn – ein Kuckuck fällt zu Tode, wie später auch Helenchen – Sehnsüchte werden beschworen - und immer wieder: der Tod. Und in die Texte und Musik verwoben, passgenau, Busch-Zitate von „Der heil’ge Franz ist auch schon da“ über „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ bis zu Onkel Noltes so bieder-bitterbösen Satz „Denn, Gott sei Dank! Ich bin nicht so!“.

Eine hinreißende, temporeiche, sehr kabarettistische Interpretation voll Spielfreude und überraschenden Einbrüchen. Berthold Possemeyer ist ein wunderbarer Interpret der klassischen Liedeinschübe und Markus Neumeyer begleitet sein Busch-Musical virtuos am Klavier.

Herrlich komödiantisch

Unbändige Spiellaune bei Sabine Fischmann, vorzugsweise als Helene und Till Krabbe als Onkel Nolte und Schmöck. Herrlich komödiantisch – vor allem aber zu bewundern: ihre Vielseitigkeit und wie sie die Pointen perfekt setzen und immer die Situation bedienen. Und bei allen Übertreibungen ganz real bleiben. Das ist schlicht meisterlich, saukomisch und noch ein Stückchen mehr.

Besonders schön, wie es Neumeyer gelungen ist, bei aller Deftigkeit und Bosheit immer auch die Tragik durchschimmern zu lassen. Und ein Menschenkenner war er sowieso, der Busch. Und sein böser Ausrutscher vom tiefverderbten, seelenlosen Juden war schlicht gestrichen.

Ein perfektes Quartett für Wilhelm Busch und „Die fromme Helene“ mit (von links): Till Krabbe als Onkel Nolte und Schmöck, Sabine Fischmann als Helene, Berthold Possemeyer als Liedinterpret und Markus Neumeyer am Klavier.



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