weather-image
16°

Reihe „Villa Vaudeville“ – eine Kunstaktion zwischen Häkeln und Hirnforschung

„Denken Sie mal an blablabla…“

Hannover. Eigentlich sieht sie völlig langweilig aus, die Hannoversche Liebigstraße: Mehrfamilienhäuser stehen und warten, Autofahrer suchen und parken, Fußgänger spazieren und entdecken ein Schild, das Hulk ankündigt. Welchen Hulk? Die wütende Bestie aus dem Comic?

veröffentlicht am 15.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 07:41 Uhr

Kunstverein-Stipendiat Sebastian Neubauer und die Aktionskünstle

Autor:

Julia Marre
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es ist Gründonnerstag, 20 Uhr. Während es über der Stadt dämmert, beginnt drinnen das Kerzenlicht zu flackern. Die Villa Minimo, ein knuffiges Hinterhaus mit aufmerksamem Bewegungsmelder, beherbergt Stipendiaten und Gäste des Kunstvereins. An diesem Abend zudem rund 30 Besucher, die zur „Villa Vaudeville“ kommen, einer Veranstaltungsreihe künstlerischer Aufführungen, die die Atelierräume in einen Zuschauerraum mit Gartenlaubencharakter verwandelt. „Diesmal gibt’s ein Hörbuch“, erklärt Kunstverein-Stipendiat Sebastian Neubauer, der in Hameln geboren wurde. Seit November läuft sein Stipendium in Hannover – die Reihe von Kunstabenden ist eine seiner Erfindungen.

Unbeantwortbare Fragen gestellt

Zu den interessiert lauschenden Freunden der Aktionskunst spricht der Physiker Heinz von Foerster in Originaltonaufnahmen, Mitschnitten einer Vorlesung: von der „Wissenschaft, die Wissen schafft“, von „Vollidioten mit einem IQ von 47“, von unbeantwortbaren Fragen, die man stellen sollte, wenn man sein Gegenüber kennenlernen möchte, und von der Macht des Gedächtnisses („Denken Sie an blablabla!“). Dazu – was wäre der Kunstabend ohne Performance? – klettert Hulk, der im wahren Leben Christoph heißt, auf einen Sessel, der auf einem Tisch steht. In glitzergrünem Polyesterpulli, mintfarbener Leggings und abgeschnittener Jeans ist er das aus der Wut entsprungene Monster. Bemalt sich mit grüner Farbe. Setzt eine Monstermaske auf. Häkelt mit bloßen Händen aus vier Rollen Kupferstromkabel eine Menschenfigur. „Zwei mal zwei ist grün“, referiert Foerster, das Publikum lacht und Hulk kreiert aus den Kabeln ein unbändiges Wesen. Von Vernetzung spricht der Dozent, während sich eine Schlaufe zur nächsten gesellt und allmählich eine gestrickte Figur zu erkennen ist. Schließlich gibt es Applaus für eine kurzweilig bebilderte Hirnforschungslektion.

Die Aktionskünstler und die Handarbeit

„Was wir in der ‚Villa Vaudeville‘ zeigen wollen, planen wir meist spontan“, erklärt Sebastian Neubauer. Diesmal ergab sich das Programm „nach dem Prinzip Arsch-auf-Eimer“, schmunzelt er. In der Gruppe der Aktionskünstler, die mit ihm die Reihe gestalten, habe man sich überlegt, dass es etwas mit Handarbeit, mit Häkeln sein müsse. Und Christoph, den sie sich als Performenden ausgeguckt haben, beschäftigt sich prompt mit dem Häkeln aus Stromkabeln. „Sonst zeigen wir mal Videos, mal gibt es Musik“, erklärt Sebastian. Die Abende seien bewusst vom Galeriencharakter losgelöst. „Wir wollen nicht bloß etwas aufhängen und zeigen.“

Die nächste „Villa Vaudeville“ gibt’s am Donnerstag, 14. Mai, ab 20 Uhr. Weitere Infos im Internet unter www.villa-vaudeville.net.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt