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Die niederländische Gruppe Omnia propagiert in der Sumpfe die Rückkehr zur Natur

Denkanstöße zwischen Folk und Hip-Hop

Hameln. Warum hängt da ein Rehgeweih am Mikrofonständer? Und kann Mittelalterfolk Hip-Hop und Liebe vereinen? Dieser Frage stellt sich Hollands Pagan-Folk-Export Omnia am Donnerstag in der Sumpfblume dem zumeist nicht aus Hameln stammenden Publikum. Dabei garnieren die Spielleute ihren Auftritt mit beachtenswerten Denkanstößen, die sie auf unterhaltsame Weise darbieten.

veröffentlicht am 02.03.2012 um 15:25 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Gabriele Laube
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Wie einfach es doch ist, sich die Welt passend zurechtzubiegen. In der Sichtweise der Pagan-Jünger und Songwriter Jenny und Steve Sic Evans van der Harten ist das kein Problem: Zurück zur Natur, ändere Dich und vergiss dabei die Liebe nicht – dann könnte alles gut werden. Frontsänger Sic wirkt dabei wie ein schamanischer Prediger, doch seine Kritik ist berechtigt – und Musik ein wirksames Medikament für Zivilisationsopfer. Das Mittel wird im Einklang mit dem Schlagwerk von van Barschot genauestens dosiert. Mit Harfe, Laute, Piano und diversen Blasinstrumenten entsteht ein Klangwerk aus keltischen Melodien, zauberhaften Balladen und mittelalterlichem Hip-Hop.

Auch die Band hat eine Frischzellenkur hinter sich: Daphyd Sens, Rob van Barschot und Philip Steenbergen agieren mit viel Spielfreude und Können. Und der virtuose Gitarrist Steenbergen könnte vom Aussehen her durchaus ein jüngerer Bruder Oliver Pochers sein.

Gelächter beim Vergleich von Sic mit dem Rattenfänger. Ja, sein Flötenspiel ist mindestens genauso gut. Oder haben wir einfach alle einen „Vogel im Kopf“? Dann ist das Gelächter gerechtfertigt – „Toys in the Attic“ kommt als skurriler Freigeist daher. Zusammen mit Jennys elfenhaftem Gesang wird das Duett mit Jenny und Sic zu einem magischen Erlebnis.

Ganz anders dagegen: „Dance Until We Die“, in dem nur eines zählt: das Tanzen. Denn, so rappen Omnia, der Kapitalismus mache unfrei, nur Selbstbestimmung zähle. Angekündigt als Pagan-Hippie-Hop-Song, entsteht daraus ein mutiger Dancefloor-Burner. Mit Rap von Sic zusammen mit Daphyd Sens, der für dieses Duell sein Slideridoo (ein Slide-Digderidoo aus faserverstärktem Kunststoff) beiseite gestellt hat. Nach 90 Minuten endet der mystische Ausflug mit musikalischem Naschwerk zwischen Mittelalter-Folk, Country-Gitarren und Rap-Gesang. Zurück bleibt das Geweih des Schamanen.



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