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Dewezet-Serie (2): „Was macht eigentlich…?“ mit dem Hamelner Schriftsteller Dr. Jens Rosteck

„Den mediterranen Schlendrian finde ich gut“

Hameln. Sie haben in Hameln gelebt und gewirkt, aber seit einiger Zeit ist es ruhig um sie geworden? In der Reihe „Was macht eigentlich…?“ spürt Redakteurin Julia Marre bekannte Hamelner Gesichter auf, die die Kulturszene der Stadt mitgestaltet haben. Heute: Dr. Jens Rosteck.

veröffentlicht am 17.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 23:21 Uhr

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Wenn Jens Rosteck nach Hameln kommt, hat er entweder einen Termin bei seinem Zahnarzt. Hat sein „sehr guter Klassenverband“ mal wieder eines der regelmäßigen Schultreffen arrangiert. Oder er stellt in einer Lesung sein neues Buch vor. Schon nach dem Abitur 1982 hat der 46-Jährige der Rattenfängerstadt den Rücken gekehrt. Seit fast 20 Jahren lebt er in Frankreich. Zwei Drittel seiner Veröffentlichungen erscheinen dennoch auf Deutsch, ein Drittel auf Französisch.

„Nizza ist Paris mit mediterranem Flair“

Zuletzt auf den Markt gekommen ist seine „Gebrauchsanweisung für Nizza und die Côte d’Azur“ im Piper-Verlag: ein Porträt einer Stadt und ihrer Region, „das nicht wie ein Reiseführer das beste Hotel oder billigste Restaurant nennt, sondern ganz bewusst aus der subjektiven Sicht eines Menschen geschrieben ist“, so der Schriftsteller. Nizza kennt Jens Rosteck gut: Seit er für die dortige Oper gearbeitet hat, lebt er in der Stadt an der Côte d’Azur. „Es gibt hier viele Annehmlichkeiten: schönes Wetter, bedeutsame Architektur, Bausubstanz von dem Ende des 19. Jahrhunderts, aber wie in jeder Großstadt auch viel Verkehr, Umweltverschmutzung und Kriminalität.“ Dennoch sei Nizza für ihn eine Art „Paris mit mediterranem Flair“ und dabei längst nicht so strapaziös wie die Hauptstadt.

Den kulturgeschichtlichen Hintergrund seiner Wahlheimat zu recherchieren und aufzuarbeiten, habe ihm großen Spaß bereitet, so Rosteck. „Hier haben spannende Menschen gelebt, es gab in den 20er und 30er Jahren eine große Blütezeit und kulturell ist auch heute noch eine Menge in Nizza los.“

Biografie über Hans Werner Henze

Was sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, ist das Thema Exil. „Ich habe festgestellt, dass ich in vielen Biografien immer wieder der Frage nachgehe, warum Menschen freiwillig aus ihren Ländern weggehen.“ Er selbst sei damals neugierig gewesen, länger in Frankreich zu leben, „dies und das hat mir an Deutschland einfach nicht gefallen“. Auch der Protagonist seines neuen Buchs, Hans Werner Henze, verließ 1953 seine Heimat, um nach Italien auszuwandern. Mit dem Leben des deutschen Komponisten hat Jens Rosteck sich lange beschäftigt, forschte intensiv in Archiven und erzählt neben der Biografie auch von Musik und Zeitgeschichte, von Krieg und traumatischen Erlebnissen – im Herbst erscheint das Werk.

Der Zugang zu Hans Werner Henze sei ein völlig anderer gewesen als bei vorherigen Projekten. Weil der Komponist noch lebt, „bleibt das Ende des Buches offen“. Hat er den Komponisten denn während seiner Recherchen treffen können? „Ich hätte es gerne gewollt, aber es gab gesundheitliche Probleme bei Hans Werner Henze“, daher wurde Rosteck davon abgeraten.

„Ob der Protagonist fiktiv ist oder existent – ich möchte, dass die Hauptfigur meine Leser reizt“, so der Anspruch des Schriftstellers. Seine Leser „sollen sich selbst in den Geschichten wiederfinden, sollen etwas über die Zeit erfahren, in der sie spielen“. Er selbst halte sich zwar nicht für den typischen Schriftsteller – „aber ich bin gern einer“. Daran, Romane zu schreiben, hat er nie gedacht. Ihn interessieren das Forschen, das Herausfinden weitaus mehr. „Ich glaube, dass ich Fähigkeiten habe, anschaulich zu schreiben und Kulturgeschichte auf literarische Form zu vermitteln.“

Dass Jens Rosteck Schriftsteller geworden ist, hat seine ehemaligen Klassenkameraden keinesfalls überrascht. „Das wundert mich nicht, du konntest schon immer ganz toll schreiben“, hörte er oft bei den Klassentreffen. Derzeit ist er neugierig, wie dem Lektorat sein Manuskript der Henze-Biografie gefällt: „Es ist eine spannende Phase, wenn der Verlag den Text attraktiv macht: Dann wird aus dem Baby Manuskript das Buch – wie ein Kind, das laufen kann…“

Jens Rosteck hat sich einige deutsche Tugenden bewahrt: „Man sagt mir oft, dass ich pünktlich, diszipliniert und gründlich bin“, erzählt er.



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