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Phillip Boa dirigiert 800 Fans im Capitol

Das Volk huldigt dem Meister

veröffentlicht am 18.03.2019 um 13:22 Uhr

Phillip Boa. Foto: jed
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Martin Jedicke Reporter
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HANNOVER. Phillip Boa und sein Voodooclub waren schon häufiger in Hamelns Sumpfblume zu Gast. Allerdings nicht vor 800 Fans wie am Freitagabend im Capitol. Boa ist selbst überrascht, dass es in den letzten Jahren wieder so gut läuft, wie er unlängst gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte. Der Voodooclub hatte zwischendurch einiges an Zauber verloren. Mit der Engländerin Vanessa Anne Redd, die auch das Vorprogramm bestreitet, scheint er nach einigen Wechseln im Anschluss an die Pia-Lund-Zeit endlich eine feste Sängerin gefunden zu haben.

Ebenfalls hilfreich: Boa schreibt wieder richtig gute Songs. Der Lohn ist Platz drei in den Charts für das neue Studioalbum „Earthly Powers“. Es zitiert den gleichnamigen Roman des britischen Autors Anthony Burgess, welcher zu Boas Lieblingsbüchern gehört. Boas Songs, erklärt er, „handeln von Figuren, die mir irgendwann in meinem Leben begegnet sind und die ich interessant fand. Schräge, melancholische Figuren, nachdenkliche Menschen, einsame Kämpfer. Fast nie sind es strahlende Gewinner. Von diesen Figuren sind die Songs inspiriert. Ein bisschen Fiktion ist dabei, aber auch viel Reales aus meinen Erinnerungen.“

Die knackige Single „A Crown for the Wonderboy“ kritisiert den Zwang zur eitlen Selbstoptimierung, „Cruising“ preist das Privileg der Freiheit, das treibende „The Wrong Generation“ könnte schnell ein Live-Favorit werden, „Drown My Heart in Moonshine“ funktioniert als melancholische Ballade und das bowieeske „The Nightclub Flasher“ dreht sich um einen Typen auf Acid. Im dazugehörigen Video kann man dessen Mutation von einem attraktiven jungen Mann zum Irokesen aus „Taxi Driver“ und schließlich zu einem Cyborg betrachten. Nachzuschauen auf Boas Homepage.

Aber natürlich werden besonders die erstaunlich vielen Hits bejubelt. „Love on Sale“ mit dem Meister an der Rampe, das singende und hüpfende Fanvolk dirigierend und den Odem der ihm entgegenwehenden Euphorie einatmend. „Albert Is a Headbanger“ und bekommt reichlich Gesellschaft aus dem Publikum. Das Finale reiht dann gleich sechs Boa-Klassiker aneinander: „I Dedicate My Soul to You“, „Diana“, „Container Love“ und „And Then She Kissed Her“ im ersten Zugabenblock, „This Is Michael“, nur echt mit Stottereinlage, und wie immer der Rauswurfrocker „Kill Your Ideals“ im zweiten.

Der Voodooclub bietet Monsterriffs, poppige Keyboardteppiche, punkiges Geschrammel, groovige Bässe, rhythmisches Feuer mit Doppelschlagzeug und Steeldrum-Ähnlichem vom Fass. Indie-Rock-Pop in vielen Facetten. Boa, dessen Stimme man sich mehr in den Vordergrund gemischt wünschte, spielt mitunter eine zweite E-Gitarre, behält aber meist die Hände frei für seine abgehackten, zuckende Bewegungen. Immer wieder wirft er den überlangen Pony mit einer energischen Kopfbewegung aus dem Gesicht. Ewiges Markenzeichen. Gott bewahre den 56-Jährigen vor Haarausfall.



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