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Til Schweigers neuer Film „Kokowääh“ besticht durch seine Leichtbauweise auf stabilem emotionalen Fundament

Das süße Törtchen und der Komödien-Konditor

Wie bitte: keine Ohren, keine Hasen, keine Küken? Nein, diesmal ist’s der ttote Hahn, der Coq au Vin, der Til Schweigers neuer Komödie den Namen verleiht. Und die ist bei weitem besser und weniger konstruiert als „Keinohrhasen“. Tiefgründiger als „Manta, Manta“. Massentauglicher als „Barfuß“. Ernsthafter als das oberflächliche Geplänkel von „Männerherzen“. Keine Frage: Mit „Kokowääh“ ist Til Schweiger eine wirklich gute Lovestory gelungen, über die sich nachdenken lässt. Und eines der anspruchsvollsten deutschsprachigen Musicals. Denn natürlich läuft auch diesmal nichts ohne Musik. Schweiger, der am Erfolg der Gruppe OneRepublic nicht unbeteiligt ist, versucht, möglichst viel Herzschmerz-Radio-Gedudel in 126 Minuten unterzubringen. Es gibt sogar einige Szenen, die derart stark in Musik getränkt sind, dass es zulasten der Dialoge geht. Schade eigentlich. Zumal die Songs textlich oft so gar nicht zum Inhalt des Films passen mögen.

veröffentlicht am 04.02.2011 um 14:42 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Glücklicherweise will in „Kokowääh“ – anders als in „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ – keine Riege bekannter Schauspieler von einer dürftigen Handlung ablenken. Schweiger konzentriert sich in erster Linie auf seine Tochter Emma, die keine Schauspielerin ist. Was des Öfteren zu erkennen ist. Zu gekünstelt und überzogen wirkt manchmal ihre Mimik, zu reif sind ihre Dialoge – immerhin verkörpert die Achtjährige eine Achtjährige! Aber die knuffige Göre mit dem blonden Zopf lenkt mit ihren niedlichen Auftritten gekonnt davon ab.

Was der Film weiterhin beinhaltet, kann sich sehen lassen. Es sind gute Seiten und schlechte Seiten der Patchwork-Gesellschaft, die Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Schweiger thematisiert. Was bedeutet Verantwortung? Was, wenn der lang erarbeitete Lebensentwurf plötzlich wie eine Seifenblase zerplatzt? Wie wichtig sind Treue und Ehrlichkeit? Klar: In der Komödie wird die Problematik der auseinandergebrochenen und neu zusammengewürfelten Familie längst nicht so tiefgründig beleuchtet und hinterfragt, wie es nötig gewesen wäre. Aber sie kratzt immerhin an der Oberfläche. Und das ist mehr, als andere Schweiger-Filme bisher leisten konnten. Erstaunlich ist, dass „Kokowääh“ zuweilen sogar dramatische Züge hat.

Der Konflikt zwischen dem Drehbuchautor Henry (Til Schweiger), der plötzlich Vater wird, und dem Kieferorthopäden Tristan (Samuel Finzi), der plötzlich kein Vater mehr sein soll, wird zumindest angegangen. Vielleicht auch deshalb ist die Komödie nie brüllkomisch. Die running gags in Leichtbauweise zünden auf dem stabilen emotionalen Fundament nur selten – etwa dann, wenn Katharina Thalbach als Patientin im Hintergrund unendlich lang mit Kiefersperre ausharren muss. Der Film ist unterhaltsam, ohne albern zu sein, und hintergründig, ohne zu schwer im Magen zu liegen: eine gelungene Gratwanderung. Dass die inszenierte Happy-End-Glückseligkeit in warmen Farben und schönen Bildern am Ende sehr dick aufgetragen ist, tut dem keinen Abbruch.

„Kokowääh“ läuft derzeit im Maxx-Kino Hameln täglich um 14.15, 17 und 20 Uhr, am Freitag und Samstag auch um 23 Uhr in der Spätvorstellung.

Kekse backen im Hochsommer: Es ist nicht alles logisch, was im Leben von Henry (Til Schweiger) und Magdalena (Emma Schweiger) passiert. Aber es ist schön anzusehen.



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