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„In Zeiten des abnehmenden Lichts“

Das Problem ist das Problem

Hameln. „Das Problem ist, dass das Problem das Problem ist“, auch wenn der Programmzettel des TdA – Theater der Altmark – das grafisch etwas anders gestaltet. Das Problem bleibt. Runde drei Stunden für ein Fast-Jahrhundert. Vier Generationen DDR – eine Schicksalsgemeinschaft, die zerbröselt. Für die ganz Alten ist der real existierende Sozialismus immer noch real – der Sohn hat im russischen Arbeitslager nichts dazu gelernt und hält sich jetzt mit seiner DDR-Karriere schadlos. Der Enkel flieht noch vor dem Mauerfall nach Westen und für den Urenkel sind die seltsamen Alten allesamt nichts als „eine Saurierversammlung“.

veröffentlicht am 15.12.2013 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Sie waren schon besonders herb gebeutelt, die da drüben hinter der Mauer – und jetzt gnadenlos ausgeleuchtet. Auf dem Präsentierteller. Und die Wende zur Wende zunächst nichts als eine Zumutung. Auch so: Zumutungen, Lügen, Verharmlosung, Umdeutung, Pathos – und hinter allem: Überlebenswillen. Das vor allem. Anpassung. Voraussetzung und Preis für das Eintauchen in Gemeinschaft.

Ein gutes Stück – ein wichtiges auch. Und besonders wichtig im ehemaligen Westen, hier bei uns. Und ein hervorragendes Ensemble mit dem Theater der Altmark in Stendal, das am Freitagabend im Theater Hameln zu Gast war. Geschichte lebendig werden ließ. Keine Ostalgie – noch nicht einmal Nostalgie – im Gegenteil: knallharte Abrechnung. Aber das ohne Häme in der Inszenierung von Alexander Netschajew. Einige Längen vielleicht, die im Roman nicht als solche empfunden werden. Das Theater hat halt seine eigenen Gesetze.

Grandios Ingrid Birkholz als Charlotte, linientreu und ewig überfordert – auch mit ihrem Wilhelm (Hannes Liebmann) dessen 90.Geburtstag zum Eklat wird. Und gar nicht allzu weit von den ganz Alten – das Paar Irina (Angelika Hofstetter) und Kurt (Frank Siebers). Bewundernswert die Auseinandersetzung mit seinem Sohn Alexander (Andreas Müller), eine hochstilisierte Brüll-Orgie, in der überraschend Tacheles geredet wird. Zwei junge Frauen, Melitta (Annett Siegmund) - mit ihr hat Alexander den Sohn Markus (Jakob Tyllack) – und Catrin (Simone Fulir) Alexanders Neuerwerbung aus dem Westen. Dazu als Moderator und in kleinen Rollen, Volker Wackermann und Thomas Weber, der vor allem für musikalische Akzente und Untermalung sorgt. Ein Stück ungeschönte Realität - auch die Rolle der Nadeshda (Hanna Petkoff).

Ein Jahrhundert, das es in sich hatte, dazu Kommunismus und Kapitalismus als zwei Seiten einer Medaille, die allemal Leben heißt. Schwer, damit zurecht zu kommen.

Geburtstagsfeier mit Thomas Weber, Hannes Liebmann, Volker Wackermann und Hanna Petkoff (v.l.)



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