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"Das Leben der anderen" als kühles Nebeneinander

Von Julia Marre

Hameln. Ist das Theater immer zum Scheitern verurteilt, wenn es riskiert, einen Kinofilm zu inszenieren – noch dazu, wenn der oscarprämiert und somit der erfolgreichste deutsche Gegenwartsfilm ist? Die klare Antwort lautet: Jein. Sicherlich ist die Aufgabe, die sich das Luxemburger Theatre des Capucins mit der Produktion „Das Leben der Anderen“ gestellt hat, eine schwierige. Aber mit der hochkonzentrierten Bühnenfassung von Albert Ostermaier, die es am Dienstagabend im Theater Hameln zeigte, ist es ein Wagnis, das es sich einzugehen lohnt. Vergleichbar ist die Adaption in etwa mit dem, was ein T-Shirt in der Waschmaschine durchmacht: Nach dem theatralischen Schleudergang ist das gute Stück zwar umgekrempelt und erheblich zerknittert, aber nicht verfärbt. Zum Glück.

veröffentlicht am 28.10.2009 um 15:17 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:21 Uhr

Feit
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So gelingt es Regisseur Johannes Zametzer, Atmosphäre und Aussage des Stasi-Dramas beizubehalten, wenn auch die Erzählweise keineswegs eine unterhaltsame ist. Anstatt die Figuren miteinander agieren zu lassen, setzt die Bühnenversion auf ein vorwiegend solo gespieltes Nebeneinander voller analytischer Monologe. Auf knapp 100 Minuten verdichtet und auf vier Schauspieler reduziert, ist die Geschichte über Künstler in der DDR, über Spitzel, Intrigen und Verrat eine selbstreflexive Innenschau – der Verzicht auf eine Pause inmitten dieser Flut aus Deutungen und Andeutungen erweist sich als richtige Entscheidung in einer klugen Inszenierung.

 



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