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Mehr Sound als Song – mehr Mensch als Maschine: Kraftwerk im KraftWerk Wolfsburg

„Das Keyboard hat Heimweh bekommen“

Wolfsburg. „Wir laden unsere Batterie/ Jetzt sind wir voller Energie/ Wir sind die Roboter/ Wir funktionieren automatisch/ …Wir sind auf alles programmiert/ Und was du willst wird ausgeführt.“ Ganz so, wie Ralf Hütter in „Die Roboter“ sprechsingt, funktioniert das erste von drei Konzerten, die Kraftwerk im alten Heizkraftwerk des Volkswagenwerks zum Movimentos-Festival der Autostadt gaben, nun doch nicht. Ausgerechnet bei „Autobahn“, der Hymne an ungehinderte Mobilität, gerät der Motor ins Stottern. „Das Keyboard hat Heimweh vom vielen Reisen“, erklärt Hütter und bittet um eine kurze Reparaturpause.

veröffentlicht am 26.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:21 Uhr

Simple Spieldosenmelodien, aber automatisch: Kraftwerk. Foto: je

Autor:

Martin Jedicke
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Alles funktioniert automatisch

Schön, dass der Faktor Mensch bei der „Mensch-Maschine“ Kraftwerk nicht verloren gegangen ist. Denn als vier Roboter auf der Bühne stehen, funktioniert tatsächlich alles automatisch. Dennoch: Die vier Kraftwerker in ihren schwarzen Overalls an den mit Laptops bestückten Designerpulten agieren als Musiker. Natürlich ist vieles vorprogrammiert, doch Hütter, einziges Gründungsmitglied, spielt die markanten Melodielinien am Keyboard, Henning Schmitz sorgt für perkussive Beats, Fritz Hilpert dreht an Effektknöpfchen und Stefan Pfaffe ruft die Bilderwechsel auf den Projektionsflächen ab. Da fliegen den mit 3D-Brillen ausgestatteten 1250 Zuschauern Vitaminpillen entgegen, zur „Tour de France“ erscheinen nostalgische Schwarz-Weiß-Filme, Neonlichtreklamen, Zahlen und Schriftzüge stehen im Raum. „Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn“ und erinnern uns an Zeiten, als man Käfer fuhr und nicht zwischen Lärmschutzwänden im Stau stand – Kraftwerks Kommentar zum „Fun, Fun, Fun“ der Beach Boys. „Radioaktivität“ beginnt mit bedeutungsschweren Worten zu den Gefahren von Plutonium, manchmal aber reicht einfach „Music Non Stop“. Ohnehin bietet Kraftwerk mehr Sound als Song. Lediglich „Das Model“ gereicht zur klassischen Single mit menschlichem Gesang. Sonst überwiegen simple Spieldosenmelodien, die sich aus metallischen Beats herausschälen, einflussreich freilich für die elektronische Musik der vergangenen vierzig Jahre. Hütter raunt dazu synthetisch verfremdete Wörter und Satzfetzen ins Mikrofon – und verpatzt einmal den Einsatz. Doch mehr Mensch als Maschine. Sympathisch.



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