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Rapper Eko Fresh im Interview über Prüfungen und "geile Fun-Mucke"

„Das ist ein young man’s sport“

Hameln/Köln. Er ist das Stehaufmännchen der deutschen Hip-Hop-Szene: Mit 15 Jahren begann Ekrem Bora alias Eko Fresh mit dem Rappen, mit Anfang 20 überwarf er sich mit seinen einstigen Gönnern. Eine Karriere, die so schnell endete, wie sie begann - könnte man meinen. Doch Totgesagte leben länger: Diesen Sommer haute Eko Fresh „1000 Bars - Die Meisterprüfung“ raus, 1000 Reime in 58 Minuten. Am 14. November erscheint sein neues Album „Deutscher Traum“, am 22. November tritt Eko Fresh in der Hamelner Rattenfänger-Halle auf. Redakteurin Wiebke Westphal hat mit dem Rapper vorab über Prüfungen, die Scorpions und Schauspielerei gesprochen.

 

Eko, in deinen „1000 Bars“ durchläufst du 17 Prüfungen auf dem Weg zum Rap-Meister. Gab es in deiner Karriere auch schon die eine oder andere Meisterprüfung, der du dich stellen musstest?
Ja, da gab es so einige. Dass ich damals so jung schon so erfolgreich war, ging einigen zu schnell. Ich wurde in eine Ecke gestellt mit den ganzen Castingshow-Gewinnern, über einen Kamm geschert mit denen, die sich ihren Erfolg nicht verdienen, sondern ihn geschenkt bekommen. Dabei war das gar nicht der Fall: Ich bin durch die Hip-Hop-Schule gegangen, hab Jams gerappt – und war dann einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auf einmal war ich ein Teenie-Star. Es war für mich schwer, als Erwachsener an diesen frühen Erfolg anzuknüpfen, so wie es generell nur wenige Leute gibt, bei denen das klappt, die es noch mal schaffen. Ich habe es geschafft – und weißt du was? Das habe ich Hip-Hop zu verdanken. Natürlich auch meinem Talent und meinem Ehrgeiz, aber vor allem dieser Musikrichtung, mit der du alles erklären kannst, mit der du dich einfach darstellen kannst – so, wie du wirklich bist. Ich glaube, Pop-Acts, die früher mal bekannt und „Bravo“-tauglich waren, haben es nicht so leicht, ein Comeback zu starten. Aber Hip-Hop erlaubt einem das. Wenn du deine dues payst, wenn du dir den Arsch aufreißt, dann wird das auch gewürdigt. Bei mir war das der Fall: Ich habe nie aufgegeben, immer weitergemacht und mir so die Gunst der Leute zurückerobert. Das war eine gewisse Prüfung, ja, und jetzt, wo ich sie bewältigt habe, bin ich stolz darauf und will mir das nie wieder nehmen lassen.

Das Wort Meisterprüfung kennt man eigentlich eher aus dem Handwerk oder aus dem Kampfsport. Mit welchem von beiden würdest du das Hip-Hop-Business eher vergleichen?
Es ist eine Mischung aus beidem. Man muss sein Handwerk gut können, alle möglichen Griffe und Tricks beherrschen. Aber es ist auch irgendwie Kampfsport, weil Rap schon immer competition war – wer hat den geilsten Part auf dem Track, wer ist im Moment angesagt. Jedes Jahr kommt jemand raus, jedes Jahr gibt es neue Trends. Das ist ein young man’s sport, so wie Fußball. Ich hatte das Glück, dass ich damals so krass jung war, dass ich heute, 13 Jahre später, immer noch relativ jung bin. Die Leute, die jetzt rauskommen, die sind 27, 28. Ich bin nur zwei, drei Jahre älter als die und hab schon voll viel auf dem Kerbholz.

Deine erste EP „Jetzt kommen wir auf die Sachen“ liegt 13 Jahre zurück. Mittlerweile wachsen in Deutschland neue Rapper nach. Gibt es Vertreter dieser neuen Rap-Generation, in denen du deine Einflüsse wiederfindest?
Ja, du hast recht, die Leute wachsen jetzt nach. Als ich damals rauskam, war das ’ne ganz besondere Sache, weil in dem Alter keiner so rappen konnte wie ich. Als jüngster Rapper habe ich damals einen Major-Vertrag bekommen. Es hieß immer: Boah, du bist aber gut für dein Alter. Heute ist das ganz normal: Jeder Jugendliche rappt, und das liegt auch an der Vorarbeit von MCs wie mir, auf die wir damals noch nicht zurückgreifen konnten. Klar, in gewissen Reimstrukturen erkenne ich mich wieder. Aber ich habe irgendwann aufgehört, das für mich zu beanspruchen. Es ist viel cooler, wenn die Leute das einem von alleine zusprechen. Da kriegt man dann zum Beispiel Props von Shindy, der letztes Jahr während seiner Promo-Phase gesagt hat, dass er früher sehr oft Eko Fresh gehört hat. Das sind so Momente, in denen du dich einfach freust. Und denkst: O.K., Alter, ist doch angekommen.

In deinen „1000 Bars“ rappst du dich einmal quer durch das internationale Hip-Hop-Repertoire. Wie viel davon wird man auch auf „Deutscher Traum“ hören können?
Auf den „1000 Bars“ wollte ich mein krasses Skill-Level zeigen. Natürlich wird man einiges davon auch auf dem Album hören, weil es einfach zu mir gehört, das ist Teil meiner Kunst. Aber „Deutscher Traum“ besteht vor allem aus geilen Texten und geiler Fun-Mucke. Dieses Album macht einfach Spaß. Auf dem letzten Album habe ich noch sehr viel über mich, meine Beziehung zu Hip-Hop und meinen Status im Hip-Hop-Business gesprochen. Das habe ich jetzt hinter mir gelassen – jetzt kann ich einfach frei auffahren. „Deutscher Traum“ ist das freieste Album, das ich gemacht habe seit meiner Jugend.

Was ist das, der „Deutsche Traum“?
„Deutscher Traum“ bedeutet, dass man hier alles erreichen kann. Ich bin ein Migrationskind, in der dritten Generation hier aufgewachsen. Mein Opa kam hierher mit nichts außer einem Auto und meinen Tanten und Onkels im Schlepptau. Zwei Generationen später mache ich hier Karriere – mit Sprache! Das ist für mich der „Deutsche Traum“.

Es gibt eine Stelle in den „1000 Bars“, in der du über die Melodie von „Wind of Change“ von den Scorpions rappst. Ist das das Deutscheste, das dir eingefallen ist?
Es war so: Eigentlich hatten wir für jedes Land etwas ganz Spezifisches rausgesucht, für Deutschland war das Volksmusik. Und dann sagte mein Produzent, ein Deutscher: Das geht nicht klar, ich kann Deutschland nicht so representen. Ich will wenigstens die Scorpions draufhaben. Und dann hab ich gesagt: O.K., Alter, mach Scorpions.

Mitte nächsten Jahres kommt der Film „3 Türken und ein Baby“ mit dir ins Kino. Wird man dich in Zukunft öfters im Fernsehen oder auf der Leinwand sehen?
Definitiv. Ich will auf jeden Fall den Ice Cube machen. Ich hab Schauspielunterricht genommen, ich bin am Set immer sehr selbstkritisch – es ist mir wichtig, dass niemand denkt: Der geht da cool hin, spielt sich selbst und fertig. Ich will das richtig machen. Mein Vater war übrigens auch Schauspieler: Er hat in Köln viel Kabarett und Theater gemacht. Ich trete jetzt in seine Fußstapfen.

Interview: Wiebke Westphal

veröffentlicht am 31.10.2014 um 12:03 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 15:21 Uhr

Mit 15 begannt er mit dem Rappen – heute ist er wieder dick im Hip-Hop-Geschäft: Eko Fresh.
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4 Bilder
Eko Fresh Kostja Ullmann Kida Khodr Ramadan „3 Türken und ein Baby“ Kino
Mitte nächsten Jahres wird Eko Fresh an der Seite von Kostja Ullmann und Kida Khodr Ramadan auch auf der Kinoleinwand zu sehen sein – in dem Film „3 Türken und ein Baby“.


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