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Gesangstherapie mit Maria Mena

Das Herz auf der Zunge, das Kind in der Stimme

Bielefeld. 23 Jahre jung ist die Norwegerin Maria Mena – und hat schon einiges erlebt. Die Scheidung der Eltern, Magersucht, den frühen Ruhm, aufdringliche Journalisten und reichlich Liebeskummer. Genug Stoff also für vier Alben, aus denen mit „Just Hold Me“ und „All This Time“ beachtliche Hits erwuchsen, die keineswegs zu den Höhepunkten des Konzerts zählen. „You’re The Only One“ fegt zu Beginn überraschend rockig über die Bühne. Bedenklich aber, wenn Mena dabei in ihrem babydoll-artigen Kleid mit roter Kunstblume in der Wuschelmähne auf Stöckelschuhen kokett an den Bühnenrand trippelt.

veröffentlicht am 09.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

„Erst als ich schon einige Zeit im Popgeschäft war, merkte

Autor:

Martin Jedicke
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Kleinmädchenhaft gehaucht

Ein wenig hängt die Dramaturgie des Programms, wenn Mena fragilen, doch austauschbaren Folkpop mit „Sorry“ oder „Where Were You“ anstimmt, begleitet nur von Akustikgitarre oder Klavier. Dennoch weiß die fünfköpfige Band durch Pedalsteel-Gitarre, aufschwellende Streichereruptionen aus dem Keyboard oder verhaltene Walzerseligkeit Farbtupfer zu setzen, wenn Text und Musik zu kleinmädchenhaft gehaucht werden.

Gerade der zweite Teil des Sonntagabends im Ringlokschuppen offenbart, dass Maria Mena live spannend sein kann. Natürlich fehlt ihr der kamikazehafte Experimentiergeist einer Björk oder der autonome Forscherdrang einer Kate Bush. Ließ Mena sich zu Beginn ihres Schaffens noch in die Nähe der zunehmend nervigen Alanis Morissette rücken, zeigt das theatralisch-pompöse „Self-Fulfilling Prophecy“ mit seinem Kontrast aus mächtigen Trommelschlägen und Spieluhrrefrain, dass von der Norwegerin einiges zu erwarten ist. „Boytoy Baby“ ist purer Rock, „Your Glasses“ fast Grunge, „Eyesore“ und besonders das mutige Kiss-Cover „I Was Made For Lovin’ You“ erhalten an Ennio Morricone gemahnenden Gitarrentwang und ein wenig Hall unter die Stimme.

Maria Mena trägt ihr Herz auf der Zunge, erzählt zu den Songs, deren Texte sie schreibt, deren Komposition aber von dem Produzenten Arvid Solvang unterstützt wird, viel Privates, was durch ihre Gesangstherapien auf den Bühnen dieser Welt offensichtlich ein fröhliches Naturell befördert hat. Da erhält ein elfjähriges Mädel während des Konzerts ein Autogramm, muss es doch in die Heia, schließlich ist am Morgen Schule. Eine Institution, die Maria Mena zugunsten ihrer Pop-Karriere vorzeitig verließ. Nicht nur die 1000 Fans im Ringlokschuppen werden das begrüßen.



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