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Faszinierende Schauspielkunst in „Der letzte Vorhang“ im ausverkauften Theater

Das große schwarze Monster gefüttert

Hameln. Nichts schwerer, als auf der Bühne Bühne zu spielen. Als Schauspieler Schauspieler zu sein. Aber auch nichts beglückender, wenn genau das perfekt gelingt – wenn zwei begnadete Schauspieler das Spiel zum Spiel an sich steigern. Zwanzig Jahre gemeinsame Bühnenkarriere als Basis für „Der letzte Vorhang“ von Maria Goos. Dann der Bruch. Lies heiratet den Gynäkologen und passionierten Kunstsammler Wouter. Zurück bleibt Richard van Berkhoven – mittlerweile Alkoholiker und verbitterter Zyniker –, der seine Partnerinnen reihenweise vergrault. Und es gerade noch schafft, kurz vor der Premiere, Lies als letzte Chance für das Stück zu gewinnen, mit dem sie ihre Karriere vor so langer Zeit starteten. Nach zehn Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne. Und nichts, was ihnen nicht zum Spiel würde. Auch Jojanneke, eine arbeitslose Schauspielerin, von Lies so lustvoll wie brillant karikiert – dann Karin, von der sie in einem fiktiven Telefonat vor Richard gewarnt wird.

veröffentlicht am 22.02.2016 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Grandioser Szenendurchlauf, als hätten sie nie aufgehört, miteinander zu spielen – so ein bisschen „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ mit Richard Burton und Liz Taylor. Endspiele, in denen Alkohol die Hauptrolle übernimmt. Und zunehmend Erinnerungen, die sich mit den Szenen vermischen. Geniale Lust am Spiel – unendliche Verspieltheit. Und immer wieder: plötzliche Nähe, blindes Verstehen, Vertrautheit. Aber auch Brüche, Abbrüche. Realität, die neue Bedingungen schafft. Vor allem: Suzanne von Borsody – die Lies Tinberge, die auf die Bühne zurückkehrt, in ihre einst so vertraute Welt, die sie wie selbstverständlich annimmt. Nahtlos vom jetzt bürgerlich Gewohnten in die Welt der Illusionen und Scheinwerfer wechselt. Und der wirren Erinnerungen. Spielszenen – auch schmerzliche. Und ambivalent, ob sie Richard, diesem Wrack, nicht doch näher ist. Szenen, die seltsam verschwimmen, sich auflösen. Und Guntbert Warns als Partner, der in nichts nachsteht.

Die Welt als rätselhafte Fiktion, in die unvermittelt Realität einbricht. Nicht mehr weggespielt werden kann. Theater, das sich am frühen Sonntagabend im ausverkauften Theater Hameln selbst meint, sich zelebriert, gnadenlos vorführt. Eine gelungene Premiere als „Der letzte Vorhang“. Ein spannendes, nicht ganz einfaches Stück aus einer letztlich fremden Welt des permanenten Spiels – beglückend vorgeführt. Und wenn schon Standing Ovations – für wen sonst als für diese Suzanne von Borsody und Guntbert Warns? Und imaginär eingeschlossen Antoine Uitdehaag als Regisseur und Tom Schenk als Bühnenbildner. Nichts weniger als eine Sternstunde auf der Hamelner Bühne und „das große schwarze Monster“ – alias Publikum – perfekt gefüttert.



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