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Zwei unterschiedliche Kenner des verstorbenen Superstars über das „Faszinosum David Bowie“

„Das alles war mehr als nur Rock ’n’ Roll“

BERLIN. Es gibt viele Erklärungsversuche, warum Kunst und Persönlichkeit von David Bowie so fasziniert haben. Es lag an Weltläufigkeit, Charisma Inspiration, auch am Geheimnis, sagen deutsche Experten.

veröffentlicht am 19.04.2017 um 16:29 Uhr

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Interview Werner Herpell, dpa

Warum wurde und wird gerade der Tod von David Bowie so intensiv betrauert? Diese Frage stellte Werner Herpell zwei sehr unterschiedlichen Bowie-Kennern: seinem ehemaligen Studio-Toningenieur Eduard Meyer (73) und dem Journalisten Tobias Rüther (43), der ein Buch über die Berliner Zeit des Superstars in den 70er Jahren geschrieben hat.

Weltweit wurde um David Bowie getrauert wie um wenige andere Popstars. Wie erklärt sich dieser Kult?
Tobias Rüther:Bowie ist einer dieser ganz wenigen Künstler mit riesigem Potenzial und zugleich enormem Charisma. Daher hat sein Tod so viele Menschen besonders getroffen. Für die Berliner kommt hinzu, dass die kurze Ära Bowie für sie eine identitätsstiftende Geschichte ist. Er kam in einer sehr grauen Zeit, als diese Stadt im Kalten Krieg quasi eingekeilt war, und er hat gezeigt, was man aus Berlin machen kann. Dieses Erbe ist hier bis heute sehr lebendig.
Eduard Meyer:Die Umstände seines Todes waren ein besonderer Schock für die Welt. Er kannte die spätere Todesursache, seine Krebserkrankung, ja schon seit eineinhalb Jahren, und er hat dennoch in dieser Zeit sein musikalisches Testament mit dem Album „Blackstar“ und dem „Lazarus“-Video voller Todesahnung gemacht. Er hat aus der Situation seiner Krankheit noch ein Wunderwerk geschaffen, während die Welt davon nichts wusste.

Wie beurteilen Sie sein künstlerisches Vermächtnis?
Tobias Rüther: Es war seine Vielseitigkeit – musikalisch und visuell, die Bühnenperformance, die Schauspielerei. Das alles war mehr als nur Rock ‚n‘ Roll. Heute ist die Vielfalt der Möglichkeiten, sich im Pop auszudrücken, so viel größer geworden. Bowie stand ganz am Anfang dieser Entwicklung.
Eduard Meyer:Ich denke, auch in hundert Jahren wird man noch von David Bowie sprechen. Er war ein Künstler von Welt. Seine Art und Weise, Musik zu machen, hat Inspiration geschaffen für viele andere Künstler – nicht nur für junge Tribute-Bands, die sich dann „Starman“ oder so nennen. Er ist ein großes Vorbild, von dem man auch heute als Musiker viel für sich übernehmen kann.

Wird in der Zukunft noch Neues, Unbekanntes von Bowie auf den Markt kommen? Und wer kümmert sich eigentlich um den Nachlass – profitiert da am Ende vielleicht jemand, der es nicht verdient?
Tobias Rüther:Ich hoffe natürlich sehr, dass seine Familie davon etwas hat. Die letzten Bowie-Jahre waren so diskret, dass es mir wirklich schwer fällt zu beurteilen, was da noch an Material schlummert. Es kommen immer mal Songs auf Kompilationen heraus, die man so nicht kannte. Bowie hat es ja bis zum Schluss geschafft, einen zu überraschen. Er war in den letzten Jahren ein großer Künstler des Geheimnisses und des Wahrens von Geheimnissen.
Eduard Meyer:Nach meinem Wissen hatte die Bowie-Familie erst einmal darum gebeten, bis zum Jahresende Ruhe zu bewahren mit der Reproduktion seines Schaffens. Zu seinem 70. Geburtstag Anfang Januar könnte da wohl eine Lockerung stattfinden. Seine Witwe Iman und seine Familie verwalten das Vermächtnis. Aber dahinter steht natürlich eine Plattenfirma, die die Rechte deckelt – bis zur Veröffentlichung von Bildern.

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