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Michael Ehnert entdeckt am Donnerstagabend in der Sumpfblume die Möglichkeiten eines Kabarettprogramms

Da liegt der Hund im Hartschalenkoffer begraben

Hameln. Am Anfang war der Hubschrauber. Oder doch der Säbelzahntiger? Ganz ehrlich: Das ist egal. Denn was Michael Ehnert am Donnerstagabend in der Kleinkunstreihe der Sumpfblume auf die Bühne stellt, ist irre. Und irre kompliziert. Aber irgendwie auch irre cool.

veröffentlicht am 05.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Sein Soloprogramm „HeldenWinter“ ist glücklicherweise alles andere als eine aufgesagte Kalauer-Sammlung mit tief fliegenden Pointen. Es ist eine Art Ein-Mann-Theaterstück mit Tiefgang, das auf mehreren Ebenen gleichzeitig spielt, sich selbst fortschreibt und unbezähmbare Wendungen vollzieht. Unglaublich komplex, vielleicht gerade deswegen erstaunlich spannend und dabei amüsant. Worum es geht? Um Helden natürlich. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht…

Thornton und Tengelmann

Ein Action-Held, nein: Zwei Action-Helden rangeln um die Protagonistenrolle im Drehbuch des Kämpfer-Epos’. Ursprünglich war nur eine Hauptfigur geplant: Theo Nathaniel Thornton – kurz TNT. Doch warum nicht für den deutschen Filmmarkt ein Pendant entwerfen? Thorsten Norbert Tengelmann heißt die Figur mit den passenden Initialen. Aber: „Kann man mit unserer Vergangenheit überhaupt ein deutscher Held sein?“, fragt Ehnert, der in der Rahmenhandlung den Drehbuchautor mimt, dessen Arbeitsplatz in und nicht bei der Deutschen Bahn ist – allein das bietet schon genügend Stoff für Scherze. In den Binnenerzählungen mit Eigenleben verkörpert der Künstler zudem alle anderen Figuren von Klaus Kinski über Hitler, den näselnden Mafioso Francesco bis hin zu Rudi Carrell – und demonstriert damit seine schauspielerische Brillanz.

Zu Beginn scheint es, als hätte ein Komiker zu viele Abenteuer-Action-Thriller-Dramen à la Hollywood gesehen und sich davon beeindrucken lassen. Und so falsch ist dieser Eindruck gar nicht. Nur dass Ehnert aus der Saga um Titan Thornton, Leutnant Starling und einen am Nordpol eingefrorenen Wal weitaus mehr herausholt als einen Abklatsch von „Stirb Langsam“. Er schnitzt ein Kabarettprogramm mit Niveau: hier ein Schopenhauer-Zitat, da ein bisschen Kant, verfeinert mit Adorno, garniert mit Horkheimer. Dazwischen kämpft Ehnert mit einem Eisbären, für eine gute Story und gegen Texthänger – oder ist der Weg zum Manuskript auch nur ein Spiel mit der „Tengelmann-Handlungsebene“? Man weiß es nicht.

Vielschichtiges Spiel

Mit mehr als wohlwollendem Applaus endet ein Kabarettabend voller Verwicklungen, ein vielschichtiges Spiel, nicht weniger überraschend als dessen Quintessenz(en): „Esst mehr Ananas! Lest Cormac McCarthys ‚Die Straße’! Seid nett zu euren Kindern! Geht zur Europawahl!“

„Dear passengers, please don’t leave your luggage unattended“ – Michael Ehnert zwischen Bahnhofsdurchsage und Attentäter-Dramatik.

Foto: are



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